XING-Umfrage beleuchtet die Bereitschaft von Babyboomern zur Weiterarbeit im Rentenalter

XING Umfrage zum Arbeiten im Rentenalter

Die demografische Entwicklung in Deutschland und die anhaltende Diskussion um die Finanzierbarkeit des Rentensystems rücken das Thema Arbeiten im Alter immer stärker in den Fokus. Während politische und wirtschaftliche Akteure über Modelle wie die Aktivrente oder eine Anhebung des Renteneintrittsalters debattieren, liefert eine aktuelle Umfrage von XING Einblicke in die Perspektiven der deutschen Arbeitnehmerschaft. Im Auftrag von XING befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im Januar 2025 insgesamt 3.413 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland zu ihrer Einstellung gegenüber einer möglichen Weiterbeschäftigung über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus. Die Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen Studie geben wichtige Hinweise für Unternehmen, Personalverantwortliche und die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt.

Deutliche Bereitschaft zur Weiterarbeit, insbesondere bei älteren Beschäftigten

Die XING-Umfrage zeigt, dass ein beachtlicher Teil der deutschen Beschäftigten sich vorstellen kann, länger zu arbeiten als bisher üblich. Bereits heute kann sich jeder achte Beschäftigte (13 Prozent) vorstellen, über das bisherige Renteneintrittsalter hinaus tätig zu sein. Diese Zahl verdeutlicht das Arbeitskräftepotenzial, das angesichts des Fachkräftemangels und der alternden Gesellschaft von Bedeutung sein könnte. Besonders hervorzuheben ist die hohe Bereitschaft unter denjenigen, die kurz vor dem Renteneintritt stehen. So gibt jeder vierte Befragte über 61 Jahren, die sogenannte Generation der Babyboomer, an, auch nach dem regulären Renteneintrittsalter freiwillig weiterarbeiten zu wollen. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass ein erheblicher Teil der erfahrensten Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt möglicherweise länger zur Verfügung stehen würde, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Vielfältige Motive für eine verlängerte Erwerbstätigkeit

Die Gründe für den Wunsch nach einer Weiterbeschäftigung im Rentenalter sind vielfältig und spiegeln unterschiedliche Bedürfnisse und Motivationen wider. Laut der XING-Umfrage lassen sich im Wesentlichen zwei Hauptkategorien von Motiven unterscheiden: intrinsische und extrinsische Faktoren.

Intrinsische Motivation: Ein Großteil der Befragten, die sich eine Weiterarbeit vorstellen können, nennt nicht-finanzielle Gründe als ausschlaggebend.

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  • Geistige Fitness: Mit 70 Prozent ist das Bedürfnis, im Kopf fit zu bleiben, der am häufigsten genannte Grund für eine mögliche Weiterarbeit. Dies unterstreicht die Bedeutung von beruflicher Tätigkeit für die kognitive Leistungsfähigkeit und das Gefühl der geistigen Aktivität im Alter.
  • Soziale Kontakte: Für 56 Prozent der Befragten spielt der Erhalt sozialer Kontakte eine wichtige Rolle bei der Überlegung, länger zu arbeiten. Der Arbeitsplatz dient für viele Menschen nicht nur der Erwerbstätigkeit, sondern auch als wichtiger Ort der sozialen Interaktion und des Austauschs.
  • Persönliche Sinnerfüllung: Die Suche nach persönlicher Sinnerfüllung ist für 50 Prozent der potenziell länger Arbeitenden ein relevanter Faktor. Die berufliche Tätigkeit kann auch im höheren Alter ein Gefühl der Produktivität, Nützlichkeit und Zufriedenheit vermitteln.

Interessanterweise zeigen sich hier geschlechtsspezifische Unterschiede. Während Männer tendenziell häufiger angeben, weiterarbeiten zu wollen, um sich geistig fit zu halten, messen Frauen in der Tendenz sozialen Kontakten eine größere Bedeutung bei.

Extrinsische Motivation: Für einen ebenfalls beträchtlichen Teil der Befragten stellt die Weiterarbeit im Alter eine finanzielle Notwendigkeit dar.

  • Angst vor Altersarmut: Knapp die Hälfte der Deutschen (48 Prozent) befürchtet, dass ihre monatliche Rente nicht ausreichen wird und sieht sich daher gezwungen, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Diese Zahl verdeutlicht die prekäre finanzielle Situation vieler Menschen im Hinblick auf ihre Altersvorsorge.
  • Besonders betroffen: Frauen: Die Umfrage zeigt, dass deutlich häufiger Frauen (63 Prozent) als Männer (40 Prozent) befürchten, dass ihre Rente nicht ausreichen wird. Thomas Kindler, Managing Director bei XING, weist in diesem Zusammenhang auf die höhere Betroffenheit von Frauen durch Altersarmut hin und nennt als Gründe häufigere Erwerbsunterbrechungen durch Kindererziehung, die Übernahme von Care-Arbeit und die spätere Rückkehr in Teilzeit. Er betont die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für Frauen und auch für berufstätige Männer zu verändern, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit aus Arbeitgebersicht

Angesichts der Bereitschaft eines Teils der älteren Beschäftigten zur Weiterarbeit stellt sich die Frage, welche Anreize Arbeitgeber schaffen können, um diese Potenziale zu nutzen. Die XING-Umfrage liefert hierzu ebenfalls aufschlussreiche Erkenntnisse:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Mit 34 Prozent wird die Möglichkeit reduzierter Stundenanzahl als besonders attraktives Mittel genannt, um ältere Beschäftigte zur Weiterarbeit zu motivieren. Flexible Arbeitszeitmodelle können es älteren Arbeitnehmern ermöglichen, ihre Arbeitsbelastung an ihre Bedürfnisse anzupassen und somit einen gleitenden Übergang in den Ruhestand zu gestalten.
  • Überdurchschnittliche Bezahlung: Für jeden Fünften (18 Prozent) wäre eine überdurchschnittliche Bezahlung ein Anreiz, länger im Berufsleben zu bleiben. Eine finanzielle Anerkennung der Erfahrung und des Know-hows älterer Mitarbeiter kann somit ein wirksames Instrument zur Motivation sein.
  • Steuerliche Anreize: Steuerliche Vorteile würden für 16 Prozent der Befragten einen attraktiven Grund darstellen, länger zu arbeiten. Staatliche Maßnahmen, die eine Weiterarbeit im Alter finanziell belohnen, könnten somit einen Beitrag zur Verlängerung der Erwerbsphase leisten.

Die Rentenpläne der deutschen Beschäftigten im Überblick

Die XING-Umfrage gibt auch Auskunft darüber, wie die deutschen Beschäftigten generell ihre Rentenpläne gestalten:

  • Regulärer Renteneintritt: Jeder Zweite (48 Prozent) plant, mit dem regulären Renteneintrittsalter von 65 bzw. 67 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Dies zeigt, dass der traditionelle Renteneintritt für einen Großteil der Erwerbstätigen weiterhin das Ziel ist.
  • Vorzeitiger Ruhestand: Ein deutlicher Anteil von 33 Prozent der Befragten möchte gerne vorzeitig aufhören zu arbeiten. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie beispielsweise gesundheitliche Einschränkungen oder der Wunsch nach mehr freier Zeit im Alter.
  • Weiterarbeit über das Rentenalter hinaus: Die bereits erwähnten 13 Prozent können sich vorstellen, über das bisherige Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.
  • Noch keine konkreten Pläne: 7 Prozent der Deutschen haben sich noch keine konkreten Gedanken über ihr persönliches Renteneintrittsalter gemacht. Dieser Anteil ist erwartungsgemäß bei der jüngeren Generation (Generation Z) mit 17 Prozent der unter 28-Jährigen am größten.

Relevanz für Recruiting und Personalwesen

Die Ergebnisse der XING-Umfrage sind für Recruiter und Personalverantwortliche in Unternehmen und bei Personaldienstleistern von erheblicher Bedeutung. Sie verdeutlichen, dass ein potenzielles Reservoir an erfahrenen Arbeitskräften existiert, die bereit wären, auch nach dem regulären Renteneintrittsalter weiterhin tätig zu sein. Dies bietet Chancen zur Deckung des Fachkräftebedarfs und zur Bindung wertvollen Know-hows im Unternehmen.

Gleichzeitig zeigen die Motive für eine mögliche Weiterarbeit, dass Unternehmen ihre Anreizsysteme und Arbeitsmodelle überdenken sollten, um ältere Arbeitnehmer anzusprechen. Flexible Arbeitszeitmodelle, eine wertschätzende Vergütung und die Förderung eines positiven Arbeitsumfelds, das soziale Kontakte und geistige Aktivität ermöglicht, können hier entscheidende Faktoren sein.

Die Erkenntnisse über die finanzielle Unsicherheit vieler älterer Arbeitnehmer unterstreichen zudem die Notwendigkeit einer vorausschauenden Personalplanung und die Auseinandersetzung mit Fragen der Altersvorsorge und der Unterstützung älterer Mitarbeiter. Unternehmen, die sich frühzeitig mit den Bedürfnissen und Wünschen älterer Arbeitnehmer auseinandersetzen und entsprechende Maßnahmen entwickeln, können sich einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Talente sichern.