
Sommer, Sonne, Arbeits-Mails: Der Job bleibt auch im Urlaub für viele Deutsche ein wichtiges Thema – entweder, weil sie auch in ihrer freien Zeit beruflich erreichbar bleiben müssen oder im Urlaub über die nächsten Karriereschritte nachdenken. Eine aktuelle Appinio-Umfrage der Jobseite Indeed unter 1.000 Arbeitnehmern zeigt nun, dass mehr als jeder dritte deutsche Arbeitnehmer während seines letzten Urlaubs über einen Jobwechsel nachgedacht hat. Die Hälfte von ihnen gibt an, sogar bereits konkrete Schritte unternommen zu haben, um ihre Gedanken in Taten umzusetzen. Besonders stark ist der Wunsch nach einem Tapetenwechsel unter Menschen, die auch während des Urlaubs arbeiten müssen.
Wer im Urlaub arbeiten muss, hinterfragt eher seine berufliche Situation
37,7 Prozent der Befragten geben an, ihre berufliche Situation während und nach ihrem Urlaub mehr zu hinterfragen, 9,7 Prozent sogar „deutlich mehr“. Arbeitsthemen, die die Befragten während der Ferien beschäftigen, sind etwa eine potenzielle Weiterbildung (19,7 Prozent), ein möglicher Jobwechsel innerhalb ihrer Branche (21,9 Prozent) oder gar eine komplette berufliche Neuorientierung (21,5 Prozent).
Ein wichtiger Faktor bei den Zweifeln am Job scheint zu sein, ob die Befragten im Urlaub arbeiten – was laut der Befragung mehr als sechs von zehn Menschen in Deutschland tun. 64,8 Prozent derer, die im Urlaub arbeiten, hinterfragen ihre berufliche Situation in den Ferien stärker als sonst. Bei denen, die während ihres Urlaubs nicht erreichbar sein müssen, liegt dieser Wert bei 27,6 Prozent, also weniger als halb so hoch.
Ein Teil der Befragten hat aus solchen Gedanken im Urlaub reale Konsequenzen gezogen: 48,4 Prozent derjenigen, die im letzten Urlaub Zweifel an ihrem Job hatten, haben sich bereits zu neuen Stellen informiert. 26,2 Prozent haben schon ihre Bewerbungsunterlagen aktualisiert. 15,9 Prozent haben bereits Bewerbungen verschickt und 11,3 Prozent haben schon einen neuen Job. Auch hier zeigen sich klare Unterschiede, je nachdem, ob die Arbeitnehmer im Urlaub arbeiten müssen oder nicht: 18 Prozent derer, die „regelmäßig“ während ihrer Urlaubszeit arbeiteten, haben bereits einen neuen Job begonnen. Bei denen, die angeben, „gelegentlich“ bis „gar nicht“ während der Ferien arbeiten zu müssen, liegt dieser Wert zwischen acht und zehn Prozent.
Die Mehrheit arbeitet auch im Urlaub
Insgesamt geben 61,6 Prozent der Umfrageteilnehmer an, im Urlaub zu arbeiten. 16,7 Prozent tun dies „nur in Ausnahmefällen“. 30,7 Prozent geben an, ihren Arbeitgebern immerhin „gelegentlich“ zur Verfügung zu stehen, während 14,2 Prozent der Befragten angeben, „regelmäßig“ Nachrichten zu beantworten oder ans Diensthandy zu gehen. 38,4 Prozent arbeiten dagegen gar nicht im Urlaub.
Die Befragung zeigt auch, dass der Druck, im Urlaub zu arbeiten, nicht immer von den Kollegen kommt. Zwar geben 44,8 Prozent derjenigen, die im Urlaub arbeiten, an, direkt kontaktiert worden zu sein. Dagegen fühlen sich aber ganze 69,2 Prozent der Ferienjobber grundsätzlich verpflichtet, erreichbar zu sein. Die Gründe für diesen Druck sind vielfältig: Manche haben Sorge, etwas zu verpassen (28,6 Prozent), oder beruflich zurückzufallen (15,9 Prozent). Einige haben ein schlechtes Gewissen gegenüber Kollegen (23,2 Prozent), bei anderen gibt es keine funktionierende Vertretung (25,8 Prozent) oder Vorgesetzte erwarten Erreichbarkeit (16,2 Prozent). Nur 13,1 Prozent der Befragten geben an, im Urlaub zu arbeiten, da sie das grundsätzlich gern tun.
Auch, dass der Arbeitsmarkt aktuell durch Konjunktursorgen, Personalabbau in vielen Branchen und KI-Debatten angespannt ist, merken viele Arbeitnehmer. 34,8 Prozent der Befragten sagen, dass sie angesichts der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt auch im Urlaub mehr und häufiger für die Arbeit erreichbar sind. 9,7 Prozent geben dagegen an, dass ihnen gerade angesichts dieser Belastungen ein bewusstes Abschalten umso wichtiger ist. Für 55,5 Prozent der Arbeitnehmer ist die aktuelle Lage allerdings kein Grund, ihre Urlaubsroutinen anzupassen.
Dr. Stefanie Bickert, Job- und Karriereexpertin bei Indeed, kommentiert die Ergebnisse:
„Urlaub schafft Distanz zum Alltag und bietet die Gelegenheit, auch die eigene berufliche Situation zu reflektieren. Dass mehr als ein Drittel der Befragten in dieser Zeit über eine Veränderung nachdenkt, scheint daher zunächst wenig überraschend. Auffällig ist jedoch, dass diese Überlegungen deutlich häufiger bei denen auftreten, die im Urlaub beruflich eingebunden sind. Mitarbeitende erleben dann noch unmittelbarer als im beruflichen Alltag, wie schwer die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aufrechtzuerhalten sind.
Für Unternehmen ist das ein wichtiges Signal, denn hier sind Erholung und Mitarbeiterbindung eng verknüpft. Funktionierende Vertretungsregelungen und eine Unternehmenskultur, die Erreichbarkeit im Urlaub nicht stillschweigend voraussetzt, sind nicht nur Ausdruck guter Führung und ein wichtiger Faktor für Mitarbeiterbindung, sondern auch die Basis für langfristige Leistungsfähigkeit. Wer erholt aus dem Urlaub zurückkehrt, verfügt nachweislich über mehr kognitive Ressourcen und ist konzentrierter, engagierter und kreativer.“
Über die Umfrage
Im Auftrag von Indeed befragte das Marktforschungsinstitut Appinio im Zeitraum vom 29.06.2026 bis 30.06.2026 insgesamt 1.000 erwerbstätige Personen in Deutschland (500 Frauen, 500 Männer, Alter zwischen 18 und 65 Jahren).



