Was tut sich bei Azubi-Stellenportalen in Corona-Zeiten?

Jugendliche informieren sich

Gerade im Ausbildungsbereich hat die Corona-Pandemie heftige Folgen gezeigt. So war die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen in 2020 um fast 10 % eingebrochen. Auch wenn es Zeichen für eine Besserung gab, stellt sich angesichts der aktuellen 4. Welle natürlich die Frage, wie es mit der dualen Ausbildung weitergeht. Eine große Rolle für die Information über Ausbildungsberufe und die Suche nach passenden Ausbildungsplätzen spielen Azubi-Stellenportale.

Wir konnten mit Felix von Zittwitz, Geschäftsführer bei Territory Embrace und u.a. verantwortlich für das Portal Ausbildung.de über die aktuellen Entwicklungen in 2021 sprechen.

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RE Redaktion: Der Ausbildungsmarkt lässt in der Pandemie Federn. Aber das Jahr 2021 sieht ja phasenweise schon wieder besser aus. Was sind erkennbare Trendberufe in diesem Jahr?

Felix von Zittwitz: Wir befragen ja jedes Jahr für die STARTKLAR-Schülerstudie mehrere tausend Schüler nach ihren Wünschen für das Berufsleben. Dabei stehen immer – und so auch 2021 – kaufmännische Berufe ganz oben auf der Liste. Aber was wir sowohl in unserer Befragung 2020 als auch 2021 gesehen haben: Auch soziale oder Gesundheitsberufe schaffen es in die Top 3. Ein gutes Zeichen in diesen Zeiten!

RE Redaktion: Das ist wohl wahr. Bei dem enormen Bedarf im Gesundheitsbereich ist das wirklich erfreulich. Wie hat sich denn insgesamt auf eurem Portal die Zahl ausgeschriebener Azubistellen von der Vor-Corona-Zeit bis heute entwickelt?

Felix von Zittwitz: Bei unseren Bestandspartnern ist sie weitgehend konstant geblieben. Auf unser gesamtes Portal bezogen hat sie sich jedoch deutlich nach oben entwickelt, weil Ausbildungsbetriebe in sehr kurzer Zeit ihr gesamtes Schülermarketing digitalisieren mussten. Hiervon profitieren natürlich auch Ausbildungssuchende, die jetzt auf Ausbildung.de ein noch umfassenderes Angebot an Möglichkeiten vorfinden.

RE Redaktion: Also haben Unternehmen gerade Azubi-Stellenportale genutzt, um die weggefallenen Optionen zum Offline-Schülermarketing zu kompensieren. Gab es denn Unterschiede zwischen Berufsbildern und Branchen?

Felix von Zittwitz: Nicht überraschend: Den stärksten Rückgang an Stellen haben wir in Gastronomie und Touristik zu verzeichnen. Dafür boomen Lebensmitteleinzelhandel, Gesundheitsbranche und Logistik.

RE Redaktion: Ja, das ist in der Tat keine Überraschung. Hat denn die Coronakrise auch einen Einfluss auf die Inhalte der bei euch geschalteten Stellenanzeigen gehabt?

Felix von Zittwitz: Wir waren das erste Ausbildungsportal, das es unseren Kunden standardmäßig ermöglicht hat, Ausbildungssuchenden durch ein deutlich sichtbares Badge auf den Stellenanzeigen eine klare Botschaft zu senden: „Ja, wir bilden trotz Corona noch aus!“ Das wurde von der überwiegenden Zahl unserer Partnerunternehmen auch so angenommen. Und auch im Inhalt der Stellen passen sich einige Firmen an, kommunizieren zum Beispiel den digitalen Bewerbungsprozess. Mit positivem Effekt – wir erleben, dass Stellen mit höherer Transparenz auch besser klicken!

RE Redaktion: Ein wichtiger Hinweis! Gerade durch die veränderten Bewerbungsverfahren und andere Maßnahmen im Schülermarketing brauchen Ausbildungsplatz-Bewerber mehr Transparenz und Orientierung. Und hier können Azubi-Stellenportale eine ganz wichtige Rolle einnehmen.

Bereits in 2020 wurden Ausbildungsprämien eingeführt, die die Auswirkungen der Pandemie auf den Ausbildungsmarkt abmildern sollten. Haben diese Prämien das Bild wesentlich verändert?

Felix von Zittwitz: Hier haben wir keinen Effekt feststellen können. Aber was ja die offiziellen Statistiken zeigen: Die Gesamtlage am Ausbildungsmarkt ist dramatisch, wir haben zwei Jahre in Folge einen Rückgang im zweistelligen Bereich an angebotenen Stellen. Hier muss sich dringend etwas ändern.

RE Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

Die duale Berufsausbildung leidet nicht nur unter der aktuellen Corona-Pandemie. Auch der Trend zum Studium und damit zu einer akademischen Ausbildung ist ungebrochen. Gerade in Zeiten, in denen Offline-Angebote nur schwer umsetzbar sind, haben spezialisierte Azubi-Stellenportale eine große Bedeutung. Hier können sich Schülerinnen und Schüler über Berufe informieren und auch gleich mögliche Ausbildungsunternehmen kennenlernen.

Felix hat gerade zwei wichtige Themen im Azubi-Recruiting angesprochen, die ich abschließend noch hervorheben möchte:

  1. Die Unsicherheit potenzieller Bewerber, ob und wo Ausbildungsplätze angeboten werden und wie der Bewerbungsprozess sowie später die Ausbildung abläuft. Hier sind Ausbildungsbetriebe gefordert, besonders in Transparenz und Orientierung zu investieren. Welche Informationen Azubis brauchen, könnt ihr im Beitrag „Weil es ohne Kommunikation im Azubi-Recruiting nicht geht“ nachlesen.
  2. Ausbildungsbetriebe haben in kurzer Zeit vielerorts ihr gesamtes Schülermarketing digitalisiert. Und wie man darüber hinaus auch beobachten kann, wurden auch viele Auswahlverfahren digitalisiert. So wurden Videointerviews geführt und Bewerbertage/ Assessment Center online veranstaltet. Und das ist gar nicht mal so schlecht angekommen, vorausgesetzt man hat das gut und interaktiv gestaltet. Anregungen dazu findet ihr übrigens im Beitrag „Bewerbertage für Berufseinsteigende“ .
Foto von Felix von Zittwitz
© TERRITORY EMBRACE GmbH

Gesprächspartnerprofil

Felix von Zittwitz ist seit mehreren Jahren bei TERRITORY EMBRACE tätig. Seit 2020 bildet er zusammen mit Gero Hesse die Geschäftsführung und ist insbesondere für die Talent Platforms wie Ausbildung.de und MeinPraktikum.de verantwortlich.

* Auch wenn wir zu Gunsten der Lesbarkeit auf die gleichzeitige Nutzung aller Genderformen verzichten, meinen wir immer alle Geschlechter.

Karl-Heinrich Bruckschen
... unterstützt mit upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg Arbeitgeber bei der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung von IT und Recruiting.