Ungerechter Arbeitsmarkt: Unternehmen schließen Frauen oft unterbewusst aus

Männlich und weiblich kodierte WörterBildrechte/ Fotograf: StepStone.de

Die Entscheidung über die Verteilung der Ministerien ist gefallen. Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wird das Bundeskabinett unter dem neuen Kanzler Olaf Scholz zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern bestehen. Doch wie sieht das bei den Unternehmen in Deutschland aus? Inwieweit achten diese beim Recruiting neuer Mitarbeitenden darauf, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen bewerben? Die Online-Jobplattform StepStone hat es sich zur Aufgabe gemacht, für mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen. In einer repräsentativen Studie unter 3.500 Personen hat StepStone sich angesehen, wie gerecht Unternehmen in Deutschland neue Mitarbeitende rekrutieren. Das Ergebnis: Fast jedes zweite Unternehmen sagt, dass es mehr Männer unter den Bewerbenden gibt als Frauen. Geht es um Führungspositionen, beobachten das sogar noch mehr Unternehmen. „Solange das der Fall ist, sind wir weit entfernt von einem fairen Arbeitsmarkt und auch davon, den Gender Pay Gap zu schließen“, sagt Arbeitsmarktexperte Dr. Tobias Zimmermann. „Auch wenn die Ungleichheit natürlich strukturelle Gründe in unserer Gesellschaft hat, die man nicht mal eben mit einem Fingerschnipsen ändern kann: Arbeitgeber können und sollten mehr tun, um wirklich alle Menschen anzusprechen, die für den jeweiligen Job infrage kommen. Das ist angesichts der Arbeitsmarktentwicklung dringend wirtschaftlich notwendig.“

Drastischer Personalmangel: Unternehmen müssen jede*n ansprechen

Ein Blick auf die offenen Jobs auf StepStone.de zeigt: Die Personalnachfrage ist riesig. Die Zahl der neuen Jobs lag zuletzt rund 90 Prozent über der vom Vorjahr. Und auch in der StepStone Studie geben 82 Prozent an, dass es derzeit sehr herausfordernd sei, Mitarbeitende zu finden. Doch oftmals liegt die Schwierigkeit schon bei der Ansprache der passenden Bewerbenden. Obwohl mehr als jedes zweite Unternehmen es sich zum Ziel gesetzt hat, gleich viele Männer und Frauen einstellen zu wollen, arbeiten bislang die wenigsten (23 Prozent) aktiv daran. „Das ist eine vertane Chance. Wir befinden uns in Zeiten einer regelrechten Arbeiterlosigkeit. Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, dass sie Bewerber*innen verpassen, die eigentlich ideal für einen Job geeignet wären“, sagt Zimmermann und ergänzt: „Wir sehen hier eine riesige Lücke: Während viele Arbeitgeber zwar das klare Ziel haben, diverse Teams zu bilden, haben viele Nachholbedarf, dafür bereits beim Recruiting die Weichen zu stellen. Dabei sind divers zusammengesetzte Teams nachweislich innovationsfähiger.“

Inklusive Sprache und Benefits in Stellenanzeigen können helfen

Doch wie gelingt es Unternehmen, von Anfang an alle Menschen im Recruiting-Prozess gleichermaßen anzusprechen? Bewerberinnen wünschen sich vor allem Informationen zu flexiblen Arbeitszeiten und -modellen (91 Prozent und 89 Prozent), Angabe von Gehältern oder von Benefits wie Kinderbetreuung (jeweils 83 Prozent). Aber auch Formulierungen in der Stellenanzeige helfen, jede*n gleichermaßen anzusprechen. Denn es gibt Ausdrücke, von denen sich ganz unterbewusst mehr Männer als Frauen angesprochen fühlen – und andersherum. Fast 60 Prozent der Personalverantwortlichen ist das jedoch gar nicht bewusst. „Wir bei StepStone wollen mehr Gleichberechtigung auf dem Jobmarkt. Aus diesem Grund haben wir bei StepStone den Genderbias Decoder entwickelt. Er identifiziert, ob Stellenanzeigen einen männlichen oder weiblichen Bias haben und schlägt alternative Formulierungen vor, damit sich alle Menschen gleichermaßen angesprochen fühlen“, sagt Zimmermann. Für die Formulierung ‚Wir suchen ein ambitioniertes und leistungsstarkes Teammitglied‘ macht das Tool beispielsweise automatisch den Alternativvorschlag: ‚Wir suchen ein engagiertes und talentiertes Teammitglied‘.

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