Umzugsbereitschaft für den Job – EY Jobstudie

EY Jobstudie zur Umzugsbereitschaft

Neuer Job in einer neuen Stadt – oder sogar einem neuen Bundesland? Immerhin 44 Prozent der Beschäftigten können sich das vorstellen. Der Wert bleibt damit auf dem Rekordhoch von 2023. Nie war die Umzugsbereitschaft für eine neue Stelle seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 höher – und das in einer unsicheren Wirtschaftslage und einer entsprechend angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt. Zum Vergleich: 2017 sagten mit 22 Prozent gerade einmal halb so viele Beschäftigte, dass der Schritt, für einen neuen Job auch die Stadt zu wechseln, für sie infrage kommt. Dabei sind die männlichen Befragten (52 Prozent) deutlich eher zu einem beruflich motivierten Umzug bereit als weibliche Angestellte (36 Prozent). Unter Berufseinsteigern ist die Bereitschaft, für den Job in eine andere Stadt oder gar in ein anderes Bundesland zu ziehen, weiter am höchsten (62 Prozent), allerdings ist sie im Vergleich zum Jahr 2023 um elf Prozentpunkte gefallen.

Der Blick in die Branchen zeigt: Vor allem in den Bereichen Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau sowie Banken- und Versicherungswesen (jeweils 55 Prozent) ist der Anteil besonders hoch, deutlich geringer ist der Umzugswille bei Angestellten der Gesundheitsbranche (35 Prozent) und in der Automobilindustrie (38 Prozent). Gerade im Automotive-Sektor gibt es einen deutlichen Einbruch, 2023 waren in dieser Branche noch 54 Prozent zu diesem Schritt bereit.

Und wie konkret sind die Wechselabsichten? Aktuell sucht ein Viertel der Befragten (25 Prozent) aktiv nach einem neuen Job, ein weiteres Drittel (33 Prozent) gibt an, offen für Angebote zu sein – damit ist mehr als jede und jeder Zweite hierzulande zumindest gedanklich nicht weit entfernt von einem Arbeitgeberwechsel. Das sind Ergebnisse der alle zwei Jahre durchgeführten EY-Jobstudie, für die mehr als 1.555 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Jeder Dritte kann sich Umzug nach Bayern vorstellen

Bayern kann seinen Spitzenplatz als attraktivstes Bundesland für Beschäftigte hierzulande verteidigen: Mehr als ein Drittel der Befragten (34 Prozent) geben an, dass ein Umzug in den Freistaat – im Falle eines passenden Jobangebots – für sie infrage kommt. Nach Hamburg würde mehr als jede und jeder Vierte (27 Prozent, plus zwei Prozentpunkte) ziehen, nach Baden-Württemberg noch knapp ein Viertel (24 Prozent, plus vier Prozentpunkte).

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Nordrhein-Westfalen (18 Prozent, minus vier Prozentpunkte) hat dagegen an Attraktivität verloren – als einziges Bundesland neben Mecklenburg-Vorpommern (8 Prozent, minus ein Prozentpunkt) – und ist damit nicht mehr in der Top 3 vertreten, sondern teilt sich die vierte Position mit Berlin (18 Prozent, plus zwei Prozentpunkte). Hinz: „Die anhaltend starke Attraktivität von Bayern und Baden-Württemberg zeigt, wie bedeutend eine starke industrielle Basis nach wie vor ist und welche Rolle sie als Magnet für umzugswillige Talente und Fachkräfte spielt. Gleichzeitig dürfen diese aber nicht die Augen vor den aktuellen Herausforderungen in Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau verschließen: Wer heute umzieht, setzt auf Stabilität, die morgen nicht zwangsläufig garantiert ist. Stadtstaaten wie Hamburg punkten dagegen mit Diversität und einer dynamischen Dienstleistungs- und Digitalwirtschaft, gerade Berlin zieht durch seine lebendige Start-up-Szene und kulturelle Strahlkraft Talente an. Mobilität folgt damit nicht nur der Industrie, sondern zunehmend auch der Lebensqualität und Zukunftsperspektive.“

Der Blick in die Branchen zeigt: Bayern belegt immer einen Platz unter den Top-3-Bundesländern – steht allerdings in einigen Sektoren nicht ganz oben auf der Liste der Umzugsziele. So hat Baden-Württemberg sowohl in der Gesundheitsbranche als auch bei den Maschinen- und Anlagenbauern die Nase vorn, im Handel belegt dagegen Hamburg den ersten Platz. Bemerkenswert deutlich liegt Bayern unter Beschäftigten der Automobilindustrie vorn: 60 Prozent zählen Bayern zu einem ihrer Top-3-Standorte, nur 36 Prozent können sich einen Umzug nach Baden-Württemberg vorstellen.

Home Office bleibt populär – aber jeder fünfte Arbeitgeber setzt auf Einschränkungen bei Regelungen

Eine wichtige Stellschraube für Unternehmen, Mitarbeiter an sich zu binden, bleibt eine großzügige Home Office-Regelung. Das Büro in den eigenen vier Wänden ist für fast jeden zweiten Beschäftigten (48 Prozent) in Deutschland wichtig. Damit ist die Bedeutung dieser Arbeitsform aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sogar noch einmal gestiegen – 2023 waren 42 Prozent dieser Meinung. Gleichzeitig versuchen allerdings Arbeitgeber, ihre Mitarbeiterschaft wieder verstärkt zurück ins Büro zu beordern. Knapp ein Fünftel der Befragten (18 Prozent) berichtet davon, dass Einschränkungen bei den Home-Office-Möglichkeiten durch den Arbeitgeber geplant sind bzw. es schon derartige Maßnahmen umgesetzt wurden. Im Öffentlichen Dienst (21 Prozent) liegt der Anteil dabei leicht höher als in der freien Wirtschaft (17 Prozent). Umgekehrt verneinen allerdings sieben von zehn Beschäftigten (70 Prozent), dass sie zurück ins Büro „müssen“.

Dietl: „Home Office ist bei vielen Beschäftigten beliebt und steigt in seiner Wichtigkeit aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und dass, obwohl man häufig hört und liest, dass Unternehmen wieder mehr Präsenz planen und erreichen wollen. Unsere Ergebnisse zeigen aber: Die meisten Unternehmen beabsichtigen gar keine neuen Büropflichten. Klar ist, dass die Arbeit des ganzen Teams im Büro Vorteile hat – kurze Wege, spontaner Austausch, Teamgefühl. Aber von zuhause aus zu arbeiten bringt eben auch viel Mehrwert aus Sicht der Mitarbeitenden: weniger Pendeln, mehr Ruhe, mehr Flexibilität. Arbeitgeber haben oft Sorge, dass die Produktivität leidet, doch die Erfahrung zeigt: Ein guter Mix des hybriden Arbeitens ist entscheidend und kann dann die Effizienz sogar steigern. Und: Am Ende wollen die meisten gar nicht komplett remote arbeiten, sondern nur ein paar Tage im Homeoffice sein.“

zum Download der Studie