
Der deutsche Stellenmarkt gibt weiter nach. Der Indeed Arbeitsmarkt Index liegt im Juli 10,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, seit Jahresbeginn beträgt das Minus 9,3 Prozent. Mit gut 104 Punkten ist das Stellenangebot nur noch vier Punkte von dem Niveau entfernt, auf dem es vor der Pandemie im Februar 2020 lag, wie die aktuelle Analyse der Indeed-Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld zeigt. Auch innerhalb des Julis setzte sich der Rückgang mit -3 Prozent saisonbereinigt fort. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2022 notierte der Stellenindex noch bei über 170 Punkten.
„Vom Stellenboom der Nach-Corona-Jahre ist so gut wie nichts mehr übrig. Der deutsche Stellenmarkt steht heute nur noch minimal über dem Niveau vor der Pandemie und verliert weiter an Substanz“, analysiert Dr. Virginia Sondergeld. „Neben Deutschlands strukturellen wirtschaftlichen Problemen befeuert derzeit vor allem der Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts die Unsicherheit. Zwar hat sich die Stimmung in den Unternehmen zuletzt verbessert, doch bei Investitionen in neues Personal stehen sie weiterhin auf der Bremse. Wer nicht weiß, was Energie und Vorprodukte im Herbst kosten, stellt im Sommer nicht ein.“
Nur 2 von 23 Berufsgruppen im Plus: Einzelhandel bricht ein, Sozialwesen kippt
Im Jahresvergleich wachsen nur noch die Therapieberufe (+8,3 Prozent) und das Bauwesen (+1 Prozent), 21 von 23 untersuchten Berufsgruppen liegen im Minus. Am stärksten trifft es den Einzelhandel (-25 Prozent), den Kundenservice (-22,8 Prozent) und die Reinigungsdienste (-20,1 Prozent).
„Vor allem Berufe im sozialen und Gesundheitssektor stemmen sich aktuell gegen den allgemeinen Abwärtstrend. Aufgrund des demografischen Wandels erwarten wir zudem, dass diese Nachfrage nach Pflegekräften, Ärztinnen und Physiotherapeuten in den nächsten Jahren noch steigen wird“, kommentiert Sondergeld. „Dass daneben das Bauwesen sein kleines Plus hält, dürfte auch mit dem Sondervermögen für Infrastruktur zusammenhängen. Konjunkturelle Impulse kommen derzeit vorrangig von staatlichen Ausgaben. Das wird im Stellenmarkt sichtbar.“
Handwerk robust, Software auf halbem Vor-Pandemie-Niveau
Seit Jahresbeginn hat der Gesamtmarkt 9,3 Prozent verloren; nur die Therapieberufe liegen 2026 bislang im Plus (+4,2 Prozent). Wie ungleich die Krise verteilt ist, zeigt das Indexniveau: Das Handwerk liegt mit rund 123 Punkten weiter knapp ein Viertel über dem Vor-Pandemie-Niveau, die Softwareentwicklung erreicht mit rund 51 Punkten nur noch etwa die Hälfte des damaligen Ausschreibungsniveaus.
„Die Finanzpolitik schiebt, die Energiepreise bremsen, und unterm Strich bleibt für den Arbeitsmarkt zu wenig übrig. Für die zweite Jahreshälfte rechne ich am Stellenmarkt bestenfalls mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau, nicht mit einer Trendwende“, ergänzt Sondergeld abschließend.
→ zur Tabelle inklusive Entwicklung des Indeed Arbeitsmarkt Index: https://www.datawrapper.de/_/cQjAa/
Die Hintergründe der Stellenmarkt-Analyse von Indeed
Die Entwicklung am deutschen Stellenmarkt analysiert die Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin Dr. Virginia Sondergeld anhand des Indeed Arbeitsmarkt Index. Der Index analysiert unter anderem die Personalnachfrage auf der Basis von mehreren Millionen Stellenausschreibungen in sieben Ländern. Diese Stellenanzeigen werden entweder direkt auf Indeed veröffentlicht oder von der Plattform über die Karrierewebseiten von Unternehmen aggregiert. Die Entwicklung an den Arbeitsmärkten kann so beinahe in Echtzeit nachvollzogen und interpretiert werden. Weitere Informationen sowie Echtzeitdaten zum Arbeitsmarkt sind unter data.indeed.com abrufbar.



