Personalengpässe: Unternehmen setzen im Recruiting so stark auf Personalberater wie nie

BDU Mehr Stellen durch Personalberater besetzt

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzweifelt gesucht, so verlautet es zurzeit aus zahlreichen Branchen und für fast alle Hierarchieebenen in Unternehmen. Die Folge: Immer mehr Betriebe greifen bei der schwierigen Suche nach Personal auf die Unterstützung durch Personalberater zurück. In der heute vorgelegten Branchenstudie „Personalberatung in Deutschland 2022“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) wird dies deutlich: Mit Hilfe der Headhunter konnten im vergangenen Jahr 16 Prozent mehr Stellen besetzt werden (2021: 76.000). Parallel ist der Branchenumsatz auf ein neues Allzeithoch von 2,7 Milliarden Euro geklettert, dies entspricht einem prozentualen Plus von 17 Prozent. BDU-Vizepräsident Wolfram Tröger: „Nicht wenige Unternehmen verzweifeln zunehmend am engen Personalmarkt und an ihren Nachwuchsproblemen. Oft fehlt das spezielle Methodenwissen sowie die personelle Ausstattung, um gezielt und effizient an die begehrten Kandidatinnen und Kandidaten zu kommen und sie für die Mitarbeit zu gewinnen. Die immer schwieriger werdende Situation führt zu mehr Suchaufträgen bei uns Headhuntern. Die Personalberatungsbranche wächst so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr.“

Auch im laufenden Jahr bleibt die Nachfrage der Unternehmen hoch

Die positive Entwicklung des Vorjahres hat sich auch 2022 fortgesetzt. 60 Prozent der Marktteilnehmer geben an, momentan mit ihren Umsätzen über ihren Budgetplanungen zu liegen. Eine leichte Eintrübung der Branchenstimmung ist nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine aber festzustellen. Nur noch rund ein Drittel geht von einer nochmals günstiger werdenden Geschäftssituation aus. Der vom BDU erhobene Geschäftsklimaindex für die Consultingwirtschaft lässt für die Personalberatungen erkennen, dass der Indexwert von 114,0 im 4. Quartal 2021 auf 104,5 im 2. Quartal 2022 gesunken ist. Der nach der gleichen Systematik erhobene Indexwert des ifo Instituts für die Gesamtwirtschaft liegt allerdings mit einem Stand von 93,0 zum Vergleichszeitpunkt deutlich darunter. Gemäß den Prognosen der Personalberatungen aus der aktuellen Branchenstudie soll sich am Ende des Jahres 2022 ein Marktwachstum von zwölf Prozent ergeben. Eine besonders starke Nachfrage wird seitens der Kundenunternehmen aus dem Gesundheitswesen (+ 15,3 %), den Professional Services (+ 14,4 %) sowie der Chemie-/Pharmabranche (+ 14,4 %) erwartet.

Managementdiagnostik wird im Auswahlprozess immer wichtiger

„Unser Stammgeschäft – die Suche, Auswahl und Gewinnung von Führungskräften und Expertinnen – stand 2021 mit einem Plus von 20,8 Prozent im Mittelpunkt der Marktentwicklung. Dieser Trend setzt sich aktuell fort. Daneben wird die Managementdiagnostik als Geschäftsfeld für uns Personalberater immer wichtiger. Bereits heute kommen bei fast 60 Prozent der von uns durchgeführten Personalauswahlprojekten eignungsdiagnostische Verfahren zum Einsatz“, so Arne Adrian, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. Berufsbezogene Persönlichkeitstest würden zum Beispiel bei jedem zweiten, Assessmentcenter bei jedem vierten Such- und Auswahlprozess angewendet. Digitale Tools, wie zum Beispiel CV Parser für die maschinelle Verarbeitung von Lebensläufen und Bewerbungen, nutzen Zweidrittel der Headhunter.

Honorare sind stabil geblieben

Das Zieleinkommen von knapp 60 Prozent der insgesamt im Jahr 2021 platzierten 76.000 Kandidatinnen und Kandidaten lag zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Leicht gestiegen ist der Anteil der von Personalberatern platzierten Kandidatinnen. Die Honorare sind auch in der Corona-Pandemie-Zeit stabil geblieben. Die Honorarhöhe bemisst sich meist am Zieleinkommen der Kandidatinnen und Kandidaten und beträgt durchschnittlich 27 Prozent. Über 90 Prozent der Personalberatungen setzen in ihren Suchprojekten die Direktansprache ein. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Personalberatungsbranche ist um fünf Prozent auf 15.000 gestiegen.

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