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Zeitarbeitsbranche schrumpft - und hofft auf die positiven Effekte der Digitalisierung

Freitag, 20.09.2019 - von: RE Redaktion


Die Konjunktur in Deutschland kühlt ab und das bekommt auch die Zeitarbeitsbranche zu spüren: Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist in der zweiten Jahreshälfte 2018 um fast 10 Prozent eingebrochen. Für 2019 rechnet die Branche mit einem zusätzlichen Rückgang des Marktvolumens um drei Prozent. Erst ab 2020 könnte sich die Anzahl der Zeitarbeiter wieder stabilisieren, wobei sie aber nicht mehr an das Niveau von 2017 anknüpfen wird, als über eine Million Menschen in Deutschland als Zeitarbeitnehmer beschäftigt waren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet und 36 deutsche Zeitarbeitsfirmen ab 1 Mio. Euro Jahresumsatz befragt wurden. "Die negative gesamtwirtschaftliche Entwicklung und der Druck auf deutschen Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche machen sich in der Zeitarbeitsbranche bereits bemerkbar", kommentiert PwC-Experte Dr. Ralph Niederdrenk die Ergebnisse.

Konjunktur, Fachkräftemangel und Regulierung dämpfen Wachstum

Tatsächlich nennt mehr als die Hälfte der befragten Firmen (53 Prozent) die konjunkturelle Abschwächung als Grund für ihren zurückhaltenden Blick in die Zukunft. Bei der Befragung aus dem Vorjahr lag dieser Anteil noch bei lediglich 8 Prozent. Gleichzeitig spielen aber weiterhin auch strukturelle Themen wie der Fachkräftemangel und die strengere Regulierung von Zeitarbeit in Deutschland eine Rolle: 58 Prozent sehen in der Beschränkung der Überlassungsdauer von Arbeitnehmern einen wachstumshemmenden Faktor, 56 Prozent führen die weiterhin schlechte Verfügbarkeit von Fachkräften an.

Nur jeder Zweite will Geschäftsmodell anpassen

Die beste Schutzmaßnahme, um sich gegen die wirtschaftliche Abkühlung und damit verbundene Umsatzeinbußen zu wappnen, sehen vier von fünf der befragten Zeitarbeitsfirmen (78 Prozent) in einer Spezialisierung auf nicht-zyklische Nischen mit hoher Nachfrage, etwa die Bereiche Pflege und IT. 56 Prozent halten flexible Kostenstrukturen für eine gute Prävention. Eine Anpassung des Geschäftsmodells, etwa die Reduktion der Standorte, plant hingegen nicht einmal die Hälfte der Befragten (47 Prozent). Wer eine Veränderung beim Geschäftsmodell in Betracht zieht, will sich auf bestimmte Nischen und Berufsgruppen spezialisieren (54 Prozent) oder setzt auf disruptive Geschäftsmodelle (43 Prozent). Auch Fusionen und Übernahmen sowie strategische Allianzen sind für viele (43 Prozent) eine Option. "Zeitarbeitsfirmen brauchen eine klare strategische Ausrichtung, um sich in einem schwierigen Marktumfeld zu positionieren. Dies kann durch den Fokus auf ein innovatives Geschäftsmodell wie eine Online-Plattform erfolgen, aber auch durch eine Branchenspezialisierung oder die Digitalisierung ihrer Wertschöpfungskette", so Niederdrenk.

Sechs von zehn Unternehmen sehen die Digitalisierung als Chance

Die Digitalisierung sehen 58 Prozent der Unternehmen in der aktuellen Situation als Chance. Das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Gut drei Viertel der Befragten (77 Prozent) sehen in der digitalen Transformation vor allem eine gute Möglichkeit, um ihre internen Prozesse zu vereinfach und zu beschleunigen. Zwei Drittel erhoffen sich dadurch eine steigende Kundenzufriedenheit, da sie offene Stellen schneller und passender mit geeigneten Kandidaten besetzen können. Die Hälfte der Befragten spricht von der Möglichkeit, die Margen zu erhöhen und die Profitabilität zu verbessern.

Lokale Standorte bleiben unverzichtbar

Trotz fortschreitender Digitalisierung geht die große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) davon aus, dass sie auch künftig nicht auf lokale Standorte verzichten kann. Online-Modelle werden nach Ansicht der Befragten nur eine komplementäre Rolle einnehmen, denn die Nähe zu den Zeitarbeitnehmern ist und bleibt ein wichtiges Kriterium, um sich vom Wettbewerb abzuheben. PwC-Experte Niederdrenk rät: "Zeitarbeitsfirmen sollten ihr traditionelles Geschäftsmodell mit einer hohen lokalen Präsenz kritisch prüfen und gezielt um digitale Möglichkeiten ergänzen. Das Ziel sollte weniger darin bestehen, den Umsatz zu maximieren als vielmehr für stabile Profitabilität zu sorgen und in die nachhaltige Beziehung zu Zeitarbeitnehmern und Kunden zu investieren."

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