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Praktikum trotz Corona

Donnerstag, 18.03.2021 - von: RE Redaktion


Corona hat auch das Praktikum in Deutschland nachhaltig verändert und vom Unternehmen ins Homeoffice getragen. Allerdings ändert dieser Ortswechsel nichts an der Qualität der Arbeitsverhältnisse, so jedenfalls die Erfahrung der Nachwuchstalente, die 2020 verpflichtende oder freiwillige Praktika absolvierten. Das ist eines der Ergebnisse der 11. Ausgabe des "Future Talents Reports" der Unternehmensberatung CLEVIS, der seit Jahren als die größte Studie ihrer Art traditionell im ersten Quartal der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Demnach stieg der Prozentsatz der von zu Hause arbeitenden Praktikant:innen in den letzten zwölf Monaten von 27% auf 63%. Den höchsten Homeoffice Anteil verzeichneten dabei Arbeitgeber aus der Chemie-, der E-Technik sowie der IT-Branche mit jeweils über 80%. Am geringsten war er in der Öffentlichen Verwaltung (18%) sowie im Baugewerbe (30%). Trotz der Tatsache, dass sie vorwiegend fern vom Unternehmensstandort Berufserfahrung sammelten, zeigten sich die Future Talents ausgesprochen zufrieden mit ihrem Arbeitsverhältnis, der Betreuung durch ihre Führungskräfte sowie der Feedbackkultur. 84% aller Befragten waren mit ihrem Praktikum zufrieden und weitere 82% gaben an, es weiterempfehlen zu können. Zudem bewerteten sie die Arbeitgeberqualität ihres Unternehmens auf einer Skala von 1 (schwach) bis 5 (sehr gut) mit einer 4,1. Für die CLEVIS-Studie wurden insgesamt 3.199 Nachwuchskräfte befragt, die im letzten Jahr ein Praktikum absolvierten.

Insgesamt sank die Zahl der angebotenen Praktika in Deutschland auf Online-Jobbörsen wie StepStone seit März 2020 bis Ende des Jahres um 13%. Die meisten Future Talents kamen dabei noch aus den Branchen IT & Internet, Konsumgüter sowie den Maschinen- und Anlagenbau. Den geringsten Anteil verzeichneten indes die Immobilienbranche sowie die Gastronomie, die während der Krise aber auch nur sehr eingeschränkt tätig war und schon alleine deswegen keine starke Anlaufstelle für Praktikant:innen sein konnte.

"Der erhöhte Anteil an Praktikant:innen im Homeoffice ist sicherlich keine große Überraschung, da das 2020 in vielen Berufsfeldern der Fall war. Nicht ganz zu erwarten war dagegen, dass dieser Einschnitt offenbar nicht zum Qualitätsverlust geführt hat. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Future Talents auch von zu Hause aus die Möglichkeit nutzen, ihre Arbeit flexibel und im Sinne ihre persönlichen Ambitionen einträglich zu gestalten. Das wird einen großen Einfluss auf die Zukunft von Praktika haben. Es spricht auch in Zukunft viel für diese Praxis, auf die sich Arbeitgeber einstellen sollten", so Studienleiterin Kristina Bierer zu den Ergebnissen.

Die Kommunikationshürde zwischen Arbeitgeber und Nachwuchskräften passt

Trotz der beschriebenen stark zugenommenen räumlichen Entfernung zum Arbeitsplatz im Unternehmen, bewerten die Studienteilnehmer:innen vor allem die Kommunikation ihrer Arbeitgeber besonders positiv - besser sogar als im letzten Jahr. So stieg der diesbezügliche Index-Wert (Skala 1-5) von 3,7 auf 3,9. Fast drei Viertel der Teilnehmer:innen gaben an, dass Aufgabenstellungen klar und deutlich formuliert wurden. Auffallend gut bewerten die Befragten auch ihre Führungskräfte, denen sie im Schnitt die Schulnote gut vergeben und deren Feedbackkultur sie auf der 1 bis 5er-Index-Skala mit einer 4,1 bewerten. Satte 91% sehen ihre Führungskräfte am genau richtigen Ort und würden sie selbst einstellen, wenn sie vor der Entscheidung stünden. Die Kommunikation innerhalb der Teams funktionierte offenbar sogar noch besser, wie die hohe Bewertung von 4,3 (vergangenes Jahr 4,1) nahelegt.

Onboarding verändert sich: Soziale Interaktion wird reduziert und Welcome-Pakete gewinnen an Beliebtheit

Eine weitere Veränderung ergab sich für die Future Talents im sogenannten Onboarding, also dem Beginn ihres Arbeitsverhältnisses. Immerhin führten noch nahezu alle Unternehmen (95%) ein solches für ihre Praktikant:innen durch, ob nun im Homeoffice oder im Unternehmen selbst. Allerdings lief diese inhaltlich anders ab als in der Vergangenheit: So fiel der Anteil derer, die eine klassische Einarbeitung erhielten von 75% auf 68% zurück. Auch eine Vorstellungsrunde im Unternehmen genossen nur noch 61% der Future Talents, während vorher sieben von zehn Praktikant:innen eine solche durchliefen. Dagegen stieg der Anteil derer, die ein Willkommenspaket von ihrem Arbeitgeber erhielten von 28% auf 31%.

Gehaltsniveau steigt leicht an, Zufriedenheit damit ist allerdings leicht rückläufig

Das durchschnittliche Gehalt von Nachwuchstalenten ist im Vergleich zum vergangenen Jahr, wie auch in den Jahren zuvor, leicht angestiegen. Aktuell beträgt es für Praktikanten im Durchschnitt 1.099 Euro, für Praktikantinnen dagegen nur 1039 Euro. Im letzten Jahr lag das Gehalt für die Future Talents im Durchschnitt bei 1.053 EUR und 2019 bei 1.028 EUR. Mit diesem Lohnniveau zeigen sich die Studienteilnehmer:innen aber nicht mehr ganz so zufrieden wie noch im vergangenen Jahr. Der Zufriedenheitsindex sank von einem Wert von 4,5 auf 3,9.

 

Pressemitteilung

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