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Fachkräftemangel nimmt im Frühjahr deutlich zu

Mittwoch, 09.06.2021 - von: RE Redaktion


Der Fachkräftemangel in Deutschland nimmt im Frühjahr 2021 weiter zu - trotz des Lockdowns mit Einschränkungen des Geschäftsbetriebs vieler Unternehmen. Im April 2021 sahen sich 23,7 % aller Firmen durch Fachkräftemangel beeinträchtigt. Damit hat die Fachkräfteknappheit noch nicht wieder ganz das Ausmaß vor der Covid19-Pandemie erreicht (29,1 % im ersten Quartal 2020), der Trend zeigt aber steil nach oben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich der Fachkräftemangel sogar verdoppelt (11,9 %) - allerdings gab es zu Beginn der Corona-Krise im April 2020 noch deutlich weitergehende Eindämmungsmaßnahmen als zurzeit.

Zugenommen hat der Fachkräftemangel seit Jahresbeginn in allen Wirtschaftsbereichen. Am stärksten macht er sich aktuell im Bauhauptgewerbe bemerkbar (25,5 % ggü. 18,2 % im Januar 2021). Im Verarbeitenden Gewerbe stieg der Anteil der durch fehlendes Fachpersonal beeinträchtigten Unternehmen von Januar bis April von 14,9 % auf 19,4 %, im Handel von 11,8 % auf 15,9 % und im Dienstleistungsbereich von 25,2 % auf 26,4 %. Blickt man tiefer in die Branchen, so war der Fachkräftemangel im April bei Rechts- und Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern am größten (54,8%), gefolgt von Architektur- und Ingenieurbüros (42,1 %) sowie Dienstleistungen der Informationstechnologie (37,2 %).

Ein Blick auf die Größenklassen zeigt, dass mittelständische Unternehmen häufiger mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben als große Firmen. Im April 2021 meldeten 24,1 % der kleinen und mittleren Unternehmen, dass Fachkräftemangel ihre Geschäftstätigkeit behindere. Bei den großen Unternehmen waren es 22,9 %. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe fehlt es dem Mittelstand erheblich häufiger an Fachkräften (24,5 %) als großen Unternehmen (11,9 %). Im Dienstleistungsbereich sind dagegen erheblich mehr große Unternehmen betroffen (30,5 %. ggü 25,9 %)

Der Anstieg des Fachkräftemangels ist zum einen auf die wieder zunehmende Arbeitskräftenachfrage im Zuge der konjunkturellen Erholung seit dem Sommer zurückzuführen. Zum anderen ist das Arbeitskräfteangebot erheblich knapper geworden, weil die Nettozuwanderung aus dem Ausland pandemiebedingt weitgehend versiegt ist.

"Ohne Gegensteuern kann sich der Fachkräftemangel von einer gravierenden Herausforderung zu einem regelrechten Wachstumshemmnis auswachsen", sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. "Denn gleichzeitig zum demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotentials steht Deutschland vor enormen Herausforderungen. Es sind dicke Bretter zu bohren, von der Genesung der Wirtschaft nach der Corona-Krise über die Bewältigung des digitalen Strukturwandels und beschleunigten Umbaus zur Klimaneutralität bis hin zum Abbau der stark gewachsenen Staatsschulden, erheblich steigenden Finanzierungslasten in Sozialversicherungen sowie nötigen Investitionen in mehr Krisenfestigkeit. Fehlen der Wirtschaft fachkompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in erheblichem Umfang, so wird es schwer werden, all dies erfolgreich zu bewältigen. Der Sicherung des Fachkräftepotenzials muss daher oberste Priorität eingeräumt werden." Hierfür stünden drei Hebel zur Verfügung: 1. Bedarfsgerechte Qualifizierung und lebenslange Weiterbildung. 2. Qualifizierte Zuwanderung fördern, etwa durch erleichterte Anerkennung von Qualifikationen, sowie das Angebot von Deutschkursen und Ausbildungsgängen für Ausländer, wenn es an inländischen Bewerbern mangelt. Und 3. Höhere Erwerbsbeteiligung, wie es etwa der Sachverständigenrat hinsichtlich der Veränderung der Regelaltersgrenze vorschlägt.

Das KfW-ifo-Fachkräftebarometer erscheint zweimal jährlich, jeweils im Frühsommer und im Herbst. Die aktuelle Ausgabe ist abrufbar unter: ots.de/HzzGQo

 

Pressemitteilung

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