Korn-Ferry-Studie: 176 Mrd. US-Dollar bis 2030 mehr für Hochqualifizierte

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"Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird sich durch eine Gleichzeitigkeit von Knappheit und Überfluss auszeichnen", sagt Annette Goldhausen, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry. "Eine große Anzahl Menschen steht zur Verfügung, allerdings nicht mit den benötigten Qualifikationen. Darum wird ein Großteil der Gehälter nur mit den üblichen Inflationsraten mitwachsen. Für spezifische Gruppen werden die Lohnkosten jedoch regelrecht explodieren."

Deutschland in der Top 5 der am stärksten wachsenden Pro-Kopf-Einkommen für hoch qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte

Die Studie geht davon aus, dass die Gehälter für Hochqualifizierte in Deutschland bereits 2020 um 96 Mrd. USD steigen werden, im Jahr 2025 um 135 Mrd. USD und im Jahr 2030 schließlich um 176 Mrd. USD. Top-Kandidaten mit universitärem Abschluss sowie theoretisch und praktisch erworbenen Zusatzqualifikationen, die sich ständig weitergebildet haben, können auf ein jährliches Plus von durchschnittlich 16.000 USD hoffen. Weltweit könnten die Löhne für qualifizierte Kandidaten pro Kopf um 11.000 USD steigen. Die höchsten Steigerungsraten hätten Hong Kong (+40.500 USD), Singapur und Australien (beide rund +29.000 USD) sowie Japan (+18.500 USD) vor Deutschland. Diese Zahlen stellen die potentielle Erhöhung dar, die über die allgemein zu erwartenden Steigerungen hinausgehen.

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Geringer fällt das Plus in den USA und im Vereinigten Königreich (beide 8.000 USD), Saudi-Arabien, Brasilien und auch den Niederlanden aus (alle drei rund 11.000 USD). "Die Arbeitsmärkte dieser Länder verfügen über ein größeres Potenzial an geeigneten Kandidaten", sagt Annette Goldhausen. "Die angelsächsischen Länder ziehen seit jeher sehr gute Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Ausland an und verfügen über eine exzellente Bildungslandschaft und -kultur. Auch die Niederlande agieren sehr weltoffen. Saudi-Arabien und Brasilien verfügen selbst über eine große Anzahl an Menschen, in deren Ausbildung heute intensiv investiert wird. In Hong Kong oder Singapur ist das anders: Wenig verfügbare Kandidatinnen und Kandidaten bei gleichzeitig besonders hohem Bedarf an Qualifikation. Ihnen wird nichts anderes übrigbleiben, als ad hoc im Ausland anzuwerben. Und das zieht besonders hohe Kosten nach sich."

Indien hat als einziges Land keine überproportionalen Lohnsteigerungen zu erwarten

Auch andere europäische Länder müssen mit steigenden Kosten für qualifizierte Fachkräfte rechnen. So schätzen die Studienautoren, dass im Jahr 2030 das Gehaltsplus im Vereinigten Königreich fünf Prozent des voraussichtlichen Bruttoinlandsprodukts ausmachen wird (+ 121 Mrd. USD), in Frankreich vier Prozent (+91 Mrd. USD). Die Niederlande werden nach der Schätzung rund 34,5 Mrd. USD mehr für qualifizierte Arbeit ausgeben müssen.

Einzig Indien bleibt von den überproportionalen Erhöhungen ausgenommen. Für das Jahr 2020 werden noch Mehrkosten von 22 Mrd. USD erwartet. Ab dem Jahr 2025 aber kann das Angebot auf dem Arbeitsmarkt in Indien die Lücken füllen und von einem Gehaltsanstieg außerhalb der üblichen Steigerungsraten ist nicht auszugehen. Annette Goldhausen sagt: "In Indien schlummert ein unglaubliches Potenzial, da das Land sich frühzeitig auf technologische Themen fokussiert und IT-Kompetenz aufgebaut hat. Aktuell finden sich noch Knappheiten, die aber in den nächsten fünf Jahren immer stärker zurückgehen werden. Indien verfügt heute über eine exzellente Bildungsinfrastruktur und kann damit die Anforderungen der Wirtschaft erfüllen. Abzuwarten bleibt, inwieweit indische Arbeitnehmer auch weiterhin von der Möglichkeit gebraucht machen, in anderen Märkten zu arbeiten und damit die dortigen Lücken zu füllen."

Unternehmen müssen Bildung neu denken

Bereits in der Untersuchung ‚The Talent Crunch‘ (veröffentlicht im Mai 2018) hat Korn Ferry auf die erwartete Verknappung von qualifizierten Fach- und Arbeitskräften hingewiesen. ‚The Salary Surge‘ baut darauf auf und modelliert auf Basis der weltweit größten Gehaltsdatenbank PayNet von Korn Ferry die möglichen Gehaltsanstiege in 20 der größten Ökonomien der Welt.

"Diejenigen Unternehmen, die im Jahr 2030 die größte Zahl an hochqualifizierten Talenten intern identifiziert und entwickelt haben, werden die größten komparativen Kostenvorteile vorweisen können. Trotz der schwierigen Gesamtsituation werden diese Unternehmen den Wandel selbst gestalten können und nicht Getriebene sein", sagt Annette Goldhausen. "Dazu bedarf es einer Bildungsoffensive innerhalb der Unternehmen und einem Neudenken von Weiterbildung. Weg von Seminaren und partieller Wissenserweiterung hin zu Programmen, die dabei helfen, innerhalb immer kürzerer Intervalle Talente vollständig neu auszurichten. Denn benötigte Kompetenzen und ‚Skills‘ werden sich immer schneller und drastischer verändern. Gleichzeitig müssen Unternehmen die so ständig weitergebildeten Talente langfristig halten können. Das erreichen sie selten über kurzfristige Angebote. Stattdessen sollten sie auf eigenverantwortliches Arbeiten, individuelles Coaching und Förderung sowie ein stimmiges Gesamtumfeld achten, in dem Sinn der Arbeit und der Beitrag des Einzelnen deutlich erkennbar sind."

Die vollständige Studie ‚The Salary Surge‘ finden Sie hier:

https://infokf.kornferry.com/GLBL-CON-2018-04-27-The-Talent-Crunch-Microsite-Capture-KFI-GLOBAL-GC-FOW_Salary-surge-FOW-Download.html?_ga=2.8433717.1099506147.1529503177-1889299465.1400516142

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