
Künstliche Intelligenz ersetzt noch immer keine ganzen Berufsbilder, verändert aber zunehmend die Anforderungen an Beschäftigte. Immer mehr Arbeitgeber suchen gezielt nach Bewerbern mit KI-Kenntnissen. Das zeigt eine Analyse der weltweit größten Jobseite Indeed. Dafür wurden bereits zum zweiten Mal Hunderttausende Stellenanzeigen in den 65 größten deutschen Städten sowie in 44 Berufsgruppen ausgewertet. Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres hat sich der Anteil der Stellenanzeigen, in denen KI-Schlagworte erwähnt werden, von 2,4 auf 5,9 Prozent mehr als verdoppelt.
München ist und bleibt Deutschlands KI-Hauptstadt
Wie im Vorjahr führt München das Indeed-Ranking der Städte mit dem höchsten KI-Anteil an. Bereits 17,1 Prozent aller Stellenanzeigen enthalten dort entsprechende Begriffe, also nahezu jede sechste Ausschreibung. Dahinter folgen Berlin mit 16,1 Prozent und Aachen mit 12,1 Prozent. Zweistellige Werte erreichen auch Stuttgart (11,8 Prozent), Frankfurt am Main (10,8 Prozent), Wolfsburg (10,3 Prozent) und Karlsruhe (10 Prozent).
Die fünf Schlusslichter des Indeed-KI-Rankings kommen hingegen allesamt aus Nordrhein-Westfalen. In Mönchengladbach, Krefeld und Hagen werden KI-Begriffe jeweils nur in 2,5 Prozent der Stellenanzeigen erwähnt. Noch niedriger fällt der Anteil in Herne (2 Prozent) und Hamm (1,8 Prozent) aus.
Bemerkenswert ist jedoch, dass selbst diese vergleichsweise niedrigen Werte im vergangenen Jahr noch für einen Platz im Mittelfeld des Rankings gereicht hätten. Der Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach Beschäftigten mit KI-Kenntnissen bundesweit rasant steigt und in keiner der 65 untersuchten Städte gegenüber dem Vorjahr gesunken ist. Besonders dynamisch entwickelte sich Oberhausen, wo sich der Anteil entsprechender Stellenanzeigen im Vergleich zum Vorjahr auf das 8,4-Fache erhöhte. Es folgen Halle (4,8-fach) und ausgerechnet Schlusslicht Hamm, wo sich der Anteil um das 4,5-Fache erhöhte.
Berufsgruppen im Vergleich: KI ist längst nicht mehr nur ein IT-Thema
Allerdings entscheidet nicht nur der Arbeitsort darüber, wie gefragt KI-Kenntnisse sind. Auch zwischen den Berufsgruppen gibt es deutliche Unterschiede. Besonders häufig verlangen Unternehmen entsprechende Fähigkeiten im Tech-Bereich, wobei diese längst auch in vielen anderen Berufsfeldern gefragt sind. So liegt die Berufsgruppe Daten und Analyse, in der in 36 Prozent aller Stellenanzeigen KI-Schlagworte erwähnt werden, mit Abstand an der Spitze der Untersuchung. Dahinter folgen die Berufsfelder Softwareentwicklung (27,3 Prozent), Marketing (17,5 Prozent) sowie Medien und Kommunikation (15,6 Prozent).
Aber auch in den Bereichen IT-Anwendungen und Lösungen (15,2 Prozent), dem Personalwesen (13,6 Prozent), dem Wirtschaftsingenieurwesen (12,6 Prozent), der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung (11,6 Prozent) sowie IT-Infrastruktur und Support (11,1 Prozent) gehören KI-Kompetenzen inzwischen für viele Arbeitgeber zum gewünschten Profil.
Arbeitsmarktexpertin: KI-Know-how sorgt für Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt
“Unsere Analyse zeigt, dass sich KI-Kenntnisse zunehmend zu einer Schlüsselqualifikation auf dem Arbeitsmarkt entwickeln. Besonders deutlich wird das in Städten wie München, wo zahlreiche internationale Tech-Unternehmen mit einer Niederlassung vertreten sind. Doch auch am unteren Ende unseres Rankings ist die Nachfrage nach Fachkräften mit KI-Kenntnissen zuletzt deutlich gestiegen. Der Wandel des Arbeitsmarkts macht sich also längst in ganz Deutschland bemerkbar und bietet für Berufstätige und Jobsuchende große Chancen, ihr berufliches Profil durch neue Kompetenzen zu schärfen”, kommentiert Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin von Indeed und führt weiter aus:
“Für Beschäftigte bedeutet das vor allem, dass sie sich mit KI auseinandersetzen und lernen sollten, wie sie entsprechende Tools sinnvoll in ihrem Arbeitsalltag einsetzen können. Damit steigern sie ihre eigene Produktivität und stellen sicher, dass sie auch in Zukunft attraktiv für Unternehmen sind. Arbeitgeber sollten sich wiederum nicht darauf verlassen, ausschließlich neue Talente einzustellen, um die KI-Transformation zu meistern. Es wird ebenso entscheidend sein, auch die eigenen Mitarbeitenden gezielt weiterzubilden und auf den Einsatz von KI vorzubereiten. Diese Entwicklung betrifft zwar in erster Linie klassische Büroberufe. Aber auch in Tätigkeiten außerhalb des White-Collar-Sektors, beispielsweise im Gesundheitswesen, kann KI zumindest bei administrativen Tätigkeiten unterstützen und so Beschäftigte entlasten. Um die Vorteile von KI für sich nutzen zu können, ist es für Unternehmen und Beschäftigte aller Branchen umso wichtiger, sich frühzeitig auf die Veränderungen vorzubereiten, die künstliche Intelligenz für ihre Arbeitswelt mit sich bringt. ”
→ zu den Daten der Analyse führen die folgenden Links: https://www.datawrapper.de/4raxW/ und https://www.datawrapper.de//wd6ix/



