Kamelle, Konfetti, Böller, Bützje oder Strüßje

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Bei dieser Headline in einer Anzeigenschaltung in der Karnevalszeit erhielt ein Unternehmen aus dem Rheinland unerwartet positive und hohe Resonanz. Und das, obwohl es sich um ein wenig bekanntes Unternehmen handelt und es deutlich attraktivere Stellen als die ausgeschriebene (Customer Service Center Versicherung) gibt. Warum?

Hohe Authentizität – Text und Zeitpunkt passen zur Zielgruppe

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Zumindestens eine Vielzahl von Rheinländern, und das war die regionale Zielgruppe der Anzeige, fühlten sich angesprochen – Zeitpunkt und Headline der Anzeige korrespondierten optimal. Der Anzeigentext schaffte mit der Überschrift zunächst einen Eyecatcher, der bei vielen Personen der Zielgruppe zur aktuellen karnevalistischen Stimmung passte.

Emotionale Ansprache – der Bewerber fühlt sich abgeholt

Direkt hinter der Headline griff der weitere Anzeigentext das Thema auf und sorgte auf anschauliche Art und Weise dafür, dass man in eine typische Karnevalssituation hineinversetzt wurde. „Egal, womit Sie sich an Karneval mitreißen lassen – wir möchten Sie mit einem besonderen Bonbon für uns begeistern. Auf dem Bonbonpapier steht „Neuer Job“. Drehen Sie es auf, finden Sie eine gelungene Mischung an unterschiedlichen Aufgaben, die Sie sich auf der Zunge zergehen lassen sollten. Diese bunte Mischung soll es sein: …“ Der Leser kann sich förmlich vorstellen, das Bonbon-Papier aufzudrehen und ist jetzt neugierig, welche Aufgaben wohl mit der Stelle verbunden sind. Er bleibt dran. Und nach der Präsentation der Aufgaben und wünschenswerten Kompetenzen schließt die Anzeige mit der Frage „Auf den Geschmack gekommen?“ Und wer jetzt noch dabei ist, der kommt gerne der Aufforderung nach, sich zu bewerben – insbesondere bei so einem Unternehmen, dass scheinbar etwas vom Karnevalsfeeling versteht.

Punktlandung – Emotionen kommen zurück

Nicht nur die Menge des Bewerbungseingangs ist positiv zu vermerken, sondern auch die Reaktionen der Bewerber. Beklagt man sonst gerne, dass Bewerber sich wenig Mühe geben und bevorzugt Standardanschreiben und -bewerbungen versenden, so konnte man hier ein anderes Bild erleben. Bewerber wurden kreativ: sie legten Luftschlangen oder Konvetti bei, tackerten Bonbons an das Anschreiben oder grüßten mit einem freundlichen Allaf. Und auch bei den weniger Kreativen wurde häufiger als sonst Bezug zur Headline und zum Text genommen und z.B. die „bunte Mischung “ an Aufgaben oder das „auf dem Geschmack gekommen sein“ aufgegriffen.

Beispiel als Anregung nehmen

Schaut man sich Stellenanzeigen an, dann wirken diese oft sehr durchgestylt und werben mit Unternehmenskennzahlen und -werte sowie allgemeinen Standardaussagen wie wichtig z.B. Mitarbeiter für das Unternehmen sind. Individuelle Headlines werden entweder ganz gestrichen oder durch einen Claim ersetzt, der in jeder Anzeige dieses Unternehmens erscheint. Das oben beschriebene Beispiel zeigt, dass es durchaus gut sein kann, sich davon zu lösen und individueller, persönlicher und zielgruppenorientierter aufzutreten. Für solche Headlines und Textgestaltungen bieten sich viele Möglichkeiten: jahreszeitliche Ereignisse (z.B. Weihnachten, Urlaubszeit), sportliche Großveranstaltungen (WM, Olympiade), zielgruppenbezogene Termine (Schulabschluss, Wiedereinstieg) oder Bedürfnisse (z.B. Kombination von Freizeit und Job) oder auch Werbeslogans, die man abwandeln kann. Seien Sie mal wieder kreativ, das kommt bei Bewerbern durchaus an und macht außerdem auch noch Spaß. Und keine Angst: das heißt nicht, dass Sie alle Standards auf Seite werfen sollten. Aber geben Sie eher Leitplanken vor, innerhalb derer man sich bewegen kann, als ein Standardanzeigenmuster mit identischen Texten, bei denen nur noch der Jobtitel, die Stellenbeschreibung und die Anforderungen ausgetausch werden. Die Wiedererkennung bleibt, aber die Anzeigen werden sympathischer.

Unsere Checklisten-Empfehlung für Sie

* Auch wenn wir zu Gunsten der Lesbarkeit auf die gleichzeitige Nutzung aller Genderformen verzichten, meinen wir immer alle Geschlechter.

Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.