IAB-Arbeitsmarktbarometer Juni 2022: zweitstärkster Rückgang seit Bestehen

IAB-Arbeitsmarktbarometer Juni 2022Quelle Ausschnitt: IAB

Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag im Juni 2022 bei 102,9 Punkten und ist im Vergleich zum Mai um 2,4 Punkte zurückgegangen. Einen stärkeren Rückgang gab es nur im April 2020.
Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers ist im Juni im Vergleich zum Mai zwar um 0,5 Punkte gesunken, liegt mit 106,5 Punkten aber weiter auf einem sehr hohen Niveau. Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit ist mit einem Rückgang von 4,3 Punkten hingegen eingebrochen und liegt aktuell bei einem Wert von 99,2 Punkten. Damit hat die Komponente Arbeitslosigkeit zum ersten Mal seit August 2020 die neutrale Marke von 100 unterschritten, was auf eine steigende Arbeitslosigkeit hinweist.

Der wesentliche Grund dafür dürfte mit dem Prozess der Integration der ukrainischen Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt und deren statistischer Erfassung in der Grundsicherung zusammenhängen. „Hiermit ist oft eine Arbeitslosmeldung verbunden. Das wäre aber weniger ein kritisches Signal als ein wichtiger Schritt im Rahmen der Jobsuche“, erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Trotz der angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation bleiben die Beschäftigungsperspektiven weiter gut, denn der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig“, berichtet Weber weiter. Das zeigt auch der Arbeitskräfteknappheitsindex des IAB, der Schwierigkeiten bei Stellenbesetzungen widerspiegelt. Dieser ist im Juni erneut auf ein Rekordniveau gestiegen. „Das bietet Chancen, für die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt, dafür braucht es aber Zeit“, so Weber. Zudem bestünden große Risiken hinsichtlich einer möglichen geopolitischen Ausweitung des russischen Kriegs gegen die Ukraine oder eines weitgehenden Energie-Lieferstopps.

Auch der Stand des European Labour Market Barometer hat sich im Juni verschlechtert. Im Vergleich zum Mai ist der Arbeitsmarkt-Frühindikator des Europäischen Netzwerks der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und des IAB um 1,3 Punkte auf aktuell 102,9 Punkte gesunken.

Die Einschätzungen für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ging dabei mit 2 Punkten auf jetzt 101,5 Punkte stärker zurück als die Komponente, die die Entwicklung der Beschäftigung anzeigt. Diese verlor 0,6 Punkte und liegt im Juni bei 104,2.

Neben Deutschland verzeichneten vor allem die Schweiz, Wallonien und Zypern deutliche Rückgänge. Dennoch deutet der Stand des European Labour Market Barometer noch immer auf eine gute Entwicklung hin. So rutschte es in keinem der teilnehmenden Länder unter die neutrale Marke von 100. „Die Arbeitsmärkte halten sich gut, aber Europa spürt die Auswirkungen des russischen Kriegs gegen die Ukraine und der weltweiten Lieferkettenstörungen“, berichtet Weber.

Eine Zeitreihe des IAB-Arbeitsmarktbarometers einschließlich seiner Einzelkomponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ ist unter www.iab.de/presse/abzeitreihe zu finden.

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