
Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsalltag und stellt viele Beschäftigte vor die Frage, welche Rolle ihre Fähigkeiten künftig noch spielen. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 %) sorgt sich laut dem neuen Hiring Trends Update von Stepstone, dass der eigene Job durch KI oder Automatisierung überflüssig werden könnte. Diese Sorge, auch als „Fear of Becoming Obsolete“ (FOBO) bezeichnet, geht für viele mit dem Druck einher, fachlich am Ball zu bleiben: Rund drei von vier Beschäftigten (76 %) sehen sich gefordert, kontinuierlich neue Kompetenzen zu erwerben, um beruflich anschlussfähig zu bleiben.
Viele Beschäftigte reagieren bereits auf diese Entwicklung: 83 % haben sich im vergangenen Jahr aktiv weitergebildet. 35 % setzen sich dabei konkret mit KI-Anwendungen auseinander. Weiterbildung wird damit für viele zur Strategie, um die eigene Rolle im Arbeitsmarkt abzusichern.
„FOBO beschreibt ein reales Gefühl am Arbeitsmarkt: Viele Menschen erleben, dass KI und Automatisierung Tätigkeiten verändern und fragen sich, welche Rolle ihre eigenen Fähigkeiten künftig noch spielen“, sagt Dr. Christina Langer, Senior Economist bei The Stepstone Group. „Gleichzeitig zeigen die Daten auch etwas sehr Positives: Beschäftigte warten nicht ab, sondern setzen sich aktiv mit neuen Anforderungen auseinander. Dieser Wille zur Veränderung ist eine große Chance für den Arbeitsmarkt und in Zeiten der Transformation maßgeblich für den beruflichen Erfolg.“
FOBO trifft Berufseinsteigende besonders stark, Unternehmen sind gefordert
Berufseinsteigende erleben den KI-Wandel besonders unmittelbar: Die Sorge, durch KI oder Automatisierung beruflich überflüssig zu werden, ist bei Menschen am Beginn der beruflichen Laufbahn mehr als doppelt so hoch wie bei Führungskräften. 49 % der Menschen in Ausbildung, Praktikum oder Werkstudium befürchten, mittelfristig ersetzt zu werden. Bei Führungskräften liegt dieser Anteil bei 22 %.
Damit Beschäftigte diesen Wandel aktiv mitgehen können, braucht es allerdings auch passende Angebote in den Unternehmen. Hier zeigt sich noch Luft nach oben: Nur 40 % der Beschäftigten sagen, dass ihr Arbeitgeber echte Möglichkeiten bietet, neue Fähigkeiten zu erlernen. Auch aus Unternehmenssicht gibt nur jede*r zweite Personalverantwortliche (52 %) an, dass die eigene Organisation aktiv in Weiterbildung oder Umschulung investiert, um künftigen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden.
„KI darf kein Vorwand sein, Menschen vorschnell abzuschreiben“, sagt Langer. „Die Beschäftigten sehen die Veränderung, und viele sind bereit, sich darauf einzulassen. Genau diesen Veränderungswillen sollten Unternehmen nutzen. Wer jetzt aus kurzfristigem Kostendruck vor allem Stellen abbaut, verschärft langfristig sein eigenes Fachkräfteproblem. Die bessere Antwort ist, Beschäftigte gezielt zu befähigen: mit klarer Orientierung, Zeit zum Ausprobieren und Weiterbildung, die direkt am Arbeitsalltag ansetzt.“
Über die Studie Hiring Trends Update
Die Befragung Hiring Trends Update 2026 ist Teil einer halbjährlich erscheinenden Studienreihe und beruht in dieser Ausgabe auf einer Befragung von 6.114 Beschäftigten sowie 800 Personalverantwortlichen in Deutschland (Feldphase: 23. April bis 6. Mai 2026). Die Studie beleuchtet den aktuellen Stand des Arbeitsmarkts aus beiden Perspektiven: von der Jobsuche und Wechselbereitschaft über Bewerbungserfahrungen und Weiterbildung bis hin zu Einstellungsprozessen und Recruiting-Herausforderungen. Die Kandidatenstichprobe ist repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung nach Alter, Geschlecht und Bildungsstand. Die Datenerhebung wurde vom Stepstone Arbeitsmarktforschungsteam durchgeführt.



