Drei gute Gründe, warum es jetzt noch mehr auf ein starkes Recruiting im Kennenlernen ankommt

Gegenseitiges Kennenlernen - wichtige Stellschraube für ein starkes Recruiting

„Nee, da kriegen mich keine 10 Pferde hin“ – manchmal wird man ja im Zug unfreiwillig Zeuge von privaten Gesprächen. In der Regel versuche ich wegzuhören. Diesmal war es aber ziemlich interessant, weil der Aufreger sich um eine Bewerbung bei einem regional bekannten Unternehmen drehte. Und scheinbar lag die Ablehnung weniger im angebotenen Job als in den Erlebnissen im Kennenlernprozess. Schade, dieser Arbeitgeber hat einen wahrscheinlich mühevoll gefangenen Fisch von der Angel springen lassen, weil er im persönlichen Kennenlernen einfach kein starkes Recruiting geliefert hat.

Unter starkem Recruiting verstehen wir einerseits ein kandidatenzentriertes Recruiting, das einen erlebbaren, positiven Unterschied macht und dem es gelingt, aus Interessenten Bewerber zu machen und deren Interesse an einer Mitarbeit zunehmend zu verstärken. Und andererseits ein Recruiting, dass die Passung von Kandidaten zum Unternehmen objektiv und valide diagnostizieren kann und so Auswahlentscheidungen unterstützt.

Warum man gerade jetzt mehr denn je nicht nur auf das Gewinnen von Bewerbungen, sondern viel mehr auch auf das zunehmende Begeistern von Bewerbern im Laufe des Kennenlern- und Auswahlprozesses achten sollte? Hier drei gute Gründe.

Die Konkurrenz um Arbeitskräfte ist noch größer geworden

Die aktuellen Arbeitsmarkt- und Stellenzahlen können einen schwindelig machen. Inzwischen haben die Vakanzen das Vor-Corona-Niveau deutlich überschritten; in den letzten zwei Jahren hat sich die Nachfrage nahezu verdoppelt. Und auf der Suche sind längst nicht mehr nur die klassischen Engpassbranchen oder -Qualifikationen.

Neben der reinen Nachfrage ist auch der Stellenbesetzungsdruck gestiegen. Denn in den letzten zwei Jahren waren viele Arbeitgeber zurückhaltend mit Stellenbesetzungen. Jetzt besteht vielerorts umso mehr Nachhol- und Zusatzbedarf. Die Wirtschaft hat sich erholt, Wiedereröffnungsmöglichkeiten wollen vorbereitet und Aufträge abgewickelt werden – und dazu braucht man zeitnah Personal. Ebenso wie für die in den letzten Jahren angeschobenen Produktinnovationen, Digitalisierungen etc.

Weil potenzielle Bewerber eine große Auswahl an potenziellen Arbeitsangeboten haben, kann ein starkes Recruiting im persönlichen Kennenlernen den entscheidenden Unterschied machen und dazu beitragen, möglichst wenige Bewerber im Recruitingprozess zu verlieren. Analysen von Wechselmotiven zeigen: es geht Beschäftigten nicht nur um harte Fakten wie Gehalt, sondern um Identifikation mit und Wohnfühlen bei einem möglichen neuen Arbeitgeber. Das zu vermitteln geht am besten von Mensch zu Mensch im Kennenlernprozess.

Wechselwille von Arbeitskräften ist da, aber die Umsetzung schwächelt noch

Befragungen zum Jahreswechsel machen deutlich, dass viele Beschäftigte über einen neuen Job bzw. Arbeitgeber nachdenken. Sie sind unzufrieden mit Rahmenbedingungen und/oder Gehalt, erleben die Unternehmenskultur nicht stimmig mit ihren eigenen Vorstellungen und Werten oder haben den Umgang des Unternehmens mit der Pandemie als enttäuschend erlebt und ihr Vertrauen u.a. in sichere Arbeitsplätze und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten verloren. Aber: die Arbeitnehmenden sind trotz allem weiter zurückhaltend, tatsächlich ihren Arbeitsplatz zu wechseln.

Es muss also jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden, um Wechselinteressierte auch zu Wechslern zu machen. Es gilt individuelle Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen, Möglichkeiten konkret und glaubhaft aufzuzeigen und Motivationsanreize zu bieten. Dazu reichen warme Worte nicht aus. Bewerbende müssen sich auch davon überzeugen können. Genau dafür eignet sich das persönliche Kennenlernen, Erleben und hinter die Kulissen schauen. Arbeitgeber mit einem starken Recruiting wissen, worauf es hier ankommt und wie man als Arbeitgeber wertvolle Punkte sammelt.

Arbeitgeber rüsten im Recruiting auf

Die Zahl der Stellenangebote im Recruiting und Employer Branding ist extrem gewachsen. Es ist daher zu erwarten, dass bei diesen Arbeitgebern die Aktivtäten im Recruiting zunehmen und diese nicht nur die Ansprache, sondern auch die Begleitung von Kandidaten im Recruitingprozess verstärken werden.

Neben dem Ausbau der Ressourcen im Recruiting kann man auch an anderen Stellen beobachten, wie Unternehmen ihr Engagement im Recruiting verstärken. Dabei geht es weniger um Anzeigenkampagnen, Karriereseiten und Social Media Aktivitäten, die potenzielle Kandidaten zum Bewerben bringen.

Es geht insbesondere auch um die Gestaltung persönlicher Kontaktsituationen nach der Bewerbung und das Eingehen auf Bewerbererwartungen, um das Interesse von Bewerbenden im Kennenlernen immer weiter zu verstärken. Dazu werden einerseits verstärkt digitale Lösungen für ein schnelleres Bewerbungsmanagement und Vorauswählen genutzt. Und andererseits in Trainings/Coaching für Hiring Manager, neue HR’ler und „alte“ Hasen investiert, um das Know-how in Interviewführung, Diagnostik und kandidatenorientierter Kommunikation auszubauen.

Übrigens

Wenn du wissen möchtest, was Arbeitgeber mit einem starken Recruiting anders machen als andere Arbeitgeber, dann lies mal diesen Blogbeitrag.

* Auch wenn wir zu Gunsten der Lesbarkeit auf die gleichzeitige Nutzung aller Genderformen verzichten, meinen wir immer alle Geschlechter.

Ruth Böck
Hallo, ich bin einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als #RecruitingStarkMacher unterstützen wir Recruiter, mit einem echt starken Recruiting einen erlebbaren Unterschied zu machen. Und so mehr Rekrutierungserfolg zu erzielen. Außerdem bin ich Initiatorin und Mitmacherin dieses Fachportals Rekrutierungserfolg.de. Wenn dir meine Beiträge gefallen, dann trage dich hier gerne für unser upo Magazin mit Tipps & Hinweisen für #RecruitingStarkMacher ein.