Do you speak English – wie man Sprachkenntnisse bei der Personalauswahl checken kann

Sprachkenntnisse bei der Personalauswahl

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fremdsprachenkenntnisse gewinnen an Bedeutung. In immer mehr Jobs und immer öfter im Tagesgeschäft ist zumindest Englisch gefragt. Kein Wunder also, dass viele Stellenanzeigen entsprechende Kenntnisse fordern. Die Selbst­­­ein­­­schätzung von Mitarbeitern und Bewerbern zu ihren Sprachkenntnissen stimmt jedoch in vielen Fällen nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein. Das stellen Arbeitgeber aber oft erst dann fest, wenn es zu spät ist. Denn nach wie vor verpassen es viele Unternehmen, sich im Rahmen des Recruitings ein genaueres Bild von der Sprachkompetenz ihrer Kandidaten zu verschaffen. Dabei könnte man einiges tun.

Fremdsprachen gehören zunehmend zum Arbeitsalltag

Laut einer aktuellen Studie von Indeed (n=2.299) gehören Fremdsprachen inzwischen bei 44% der deutschen Arbeitnehmer zum Berufsalltag. Allen voran ist Englisch gefragt (97%), gefolgt von Französisch (19%) und Russisch (12%). 29% setzten Fremdsprachen täglich ein, 35% immerhin zwei- bis dreimal in der Woche. Als Grund dafür ist die zunehmende Globalisierung und internationale Vernetzung der Arbeitgeber anzunehmen. Viele Firmen haben Niederlassungen/Zweigstellen im Ausland, arbeiten mit Dienstleistern oder Lieferanten aus anderen Ländern zusammen und bedienen internationale Kundschaft. Dadurch wird das Arbeiten in diesen Unternehmen zwangsläufig internationaler und der Einsatz von Fremdsprachen in der schriftlichen Kommunikation (51%) bzw. im gesprochenen Wort (27%) selbstverständlicher. 67% der Befragten finden das attraktiv, in der Altersgruppe der 16 bis 29-Jährigen sogar 74%.

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In Stellenanzeigen nimmt die Anforderung Englisch-/ Fremdsprachen-Kenntnisse zu

Man kann schon eine ganze Weile beobachten, dass Fremdsprachenkenntnisse insbesondere Englisch immer öfter als Standardanforderung in Stellenanzeigen auftauchen. Gerade international ausgerichteten Unternehmen ist dies wichtig. Sie möchten sowohl länderübergreifend eine reibungslose interne Kommunikation als auch eine zuverlässige Kommunikation zu Partner, Kunden und Lieferanten im Ausland gewährleisten. Laut einer Umfrage aus 2017 ist in 85% der internationalen Konzernen und Organisationen Englisch deshalb sogar Verkehrssprache. Daher haben auch Mitarbeiter/Bewerber größere Einstiegs-, Karriere- und Verdienstchancen, wenn sie entsprechende Englischkenntnisse mitbringen. Unternehmen legen insbesondere Wert auf eine hohe Lesekompetenz gefolgt von einer hohen Sprechkompetenz. So weitere Ergebnisse dieser Umfrage. Das Risiko, dass Kundenbeziehungen unter mangelnder Sprachkompetenz leiden, (kostspielige) Missverständnisse im Zusammenspiel mit Dienstleistern und Lieferanten entstehen oder Mitarbeiter sich überfordert fühlen, wird dadurch reduziert.

Gap zwischen Selbstwahrnehmung und Erleben im Berufsalltag

Die Selbsteinschätzung der von Indeed Befragten zu ihren Sprachkenntnissen ist hoch. 55% behaupten von sich, Englisch sicher zu beherrschen. Nur 12,4% fühlen sich unsicher. Auf einer 5er-Skala liegt der Schnitt bei 3,6. Trotz des hohen Grads in der Selbsteinschätzung wünschen sich interessanterweise ein Viertel der Befragten noch sprachliche Weiterbildungen. 82% davon in der englischen Sprache. So ganz sicher scheinen sie sich also doch nicht zu sein.

Unternehmen stellen oft im Tagesgeschäft fest, dass Mitarbeiter ihre Fremdsprachenkenntnisse falsch einschätzen. In der oben erwähnten 2017er Umfrage unter 5.373 Unternehmen aus 38 Ländern sagen 40% aus, dass ihre Arbeitnehmer deutliche Wissenslücken in ihren Englisch-Kenntnissen aufweisen. Die kleinsten Lücken zeigen sich im mittleren und oberen Management (25%). Die größten Gaps weisen unternehmensinterne Funktionen wie Personal oder Rechnungs- und Finanzwesen, Produktion und Logistik auf. In Bereichen mit mehr Außenkontakten wie Marketing, Verkauf oder Kundenservice sind die Differenzen geringer.

Handlungsbedarf für Unternehmen

In der Praxis erlebt man trotz dieser Erkenntnisse häufig ein recht oberflächliches bis vernachlässigtes Prüfen der Sprachkenntnisse im Auswahlprozess:

  • Zwar fordern viele Arbeitgeber pauschal Englischkenntnisse in Stellenausschreibungen, aber sie legen vorab nicht den konkreten Bedarf für die jeweilige Stelle fest. Welcher Skill wird insbesondere für die jeweilige Stelle benötigt: Schreib-, Lese-, Sprech- oder/und Hörkompetenz? Und in welchen Grad? Sehr oft werden einfach mal gute, sehr gute oder verhandlungssichere Kenntnissen gefordert. Was aber bedeutet das genau? Die Definitionen dürften von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.
  • In Auswahlverfahren nutzen Arbeitgeber nur selten objektive Verfahren, um das Sprachniveau verschiedener Kandidaten vergleichend zu beurteilen. (Nur) ein Viertel setzt entsprechende Testverfahren ein. Nicht selten schließen Arbeitgeber von Auslandsaufenthalten, Reiseaffinität oder dem Besuch von Fremdsprachkursen/ Fächern auf die vorhandenen Fremdsprachenkenntnisse oder sichern von Bewerbern in Bewerbungsunterlagen oder -formularen angegebene Einstufungen nur rudimentär ab.

To do: Englischkenntnisse im Recruitingprozess prüfen

Wenn Arbeitgeber wirklich sicherstellen wollen, dass Kandidaten die Englisch-/ Fremdsprachen-Kenntnisse mitbringen, die sie für den Job benötigen, können sie z.B. hier ansetzen:

  • Job-Profile sollten konkretisiert werden: bei welchen Aufgaben sind welche Sprachkenntnisse in welchem Skill und Grad erforderlich?
  • In Stellenanzeigen sollte näher beschrieben werden, in welchem Ausmaß wie oft in Englisch kommuniziert werden muss bzw. entsprechende Lesekompetenz erforderlich ist. Beispiele helfen dem Bewerber weiter und ermöglichen eine Selbstselektion.
  • Spracheinstufungen (z.B. in Anzeigen oder Bewerbungsformularen) sollten klar und eindeutig definiert werden. Aussagen wie „gute Kenntnisse“ oder ähnliches sind dabei weniger hilfreich als das Heranziehen von Standardeinstufungen wie sie z.B. der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen bietet. Alternativ/Ergänzend sollten erforderliche Sprachzertifikate eingefordert werden. Dabei ist zu beachten, dass sie sich in der Testmethode, ob sie akademisches oder berufsbezogenes Englisch prüfen, unterschieden.
  • Vor Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bietet sich der Einsatz eines Englisch-Tests (siehe Sprachzertifikate oder andere Testanbieter) an, der verschiedene oder einzelne der Skills Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen überprüft.
  • Im Vorstellungsgespräch gilt es Angaben zu Sprachkenntnissen genau zu hinterfragen. Hier ist es hilfreich, wenn man entsprechende Interviewtechniken kennt und anwendet. Und natürlich bietet es sich an, auch einen festgelegten Teil des Vorstellungsgespräches auf Englisch bzw. in der jeweiligen Fremdsprache zu führen oder eine Assessment-Übung zu integrieren (z.B. eine Selbstpräsentation oder eine kleine Fallstudie mit Ergebnispräsentation), um die Sprachkenntnisse selbst zu erleben und darauf basierend zu beurteilen. Eigene Sprachkompetenz natürlich vorausgesetzt!

Wie bei allen Kompetenzfeststellungen im Recruitingprozess gilt auch für Sprachkenntnisse: mit konkreten Bewertungsrastern oder Standardeinstufungen (s.o.) lassen sich auch Sprachkenntnisse objektiver bewerten und Beurteilungsfehler (z.B. sich selbst als Maßstab nehmen) vermeiden.

Dass ein solches Vorgehen sich auch positiv auf die Candidate Experience der Bewerber auswirkt, sei noch zusätzlich erwähnt. Denn wenn man als Arbeitgeber im Zweifel sogar hohe Anforderungen an die Sprachkompetenz der Kandidaten stellt, diese aber nicht erkennbar sorgfältig prüft, hinterlässt dies Fragezeichen.

Macht sich ein Unternehmen hingegen die Mühe, seine fremdsprachlichen Anforderungen möglichst genau zu formulieren und strukturiert zu überprüfen, unterstreicht dies die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen zum Einsatz von Fremdsprachen im Job und zur Bedeutung der Fremdsprachenkenntnisse als Anforderung bei der Personalauswahl.

Blog-Serie auf Rekrutierungserfolg.de Bessere Personalauswahl - mehr Rekrutierungserfolg
Der Beitrag ist Teil der Blog-Serie „Bessere Personalauswahl – mehr Rekrutierungserfolg“.  Sie gehört zur Sommer Akademie ’18 von Rekrutierungserfolg.de und upo – Bausteine für Rekrutierungserfolg. Hier finden Sie zwischen Juni und August 2018 immer wieder frische Beiträge, Impulse, Empfehlungen und Interviews rund um die Personalauswahl. Sie wollen keinen Beitrag verpassen? Dann tragen Sie sich doch gleich in den Verteiler des Blogs ein und Sie werden über neue Beiträge automatisch informiert.

 

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* Auch wenn wir zu Gunsten der Lesbarkeit auf die gleichzeitige Nutzung aller Genderformen verzichten, meinen wir immer alle Geschlechter.

Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.