Probieren Sie mal Alternativen zu Vor-Ort-ACs aus

erstellt am: 15.09.2020 | von:

Recruiting Impuls Alternativ ACsRecruiting Impuls | ACs – Assessment Center – sind nach wie vor ein häufig genutztes Instrument zur Auswahl von Nachwuchskräften (Auszubildende, Duale Studierende, Hochschulabsolventen). In Corona-Zeiten sind ACs angesichts von Infektionsrisiko und Hygienekonzepten nicht ganz unproblematisch in der Durchführung. Auch schon vor der Pandemie hat das eine oder andere Unternehmen sich gefragt, ob es nicht Alternativen gibt, Kandidaten in Aktion zu erleben. Gibt es – zwei stellen wir heute vor.

Live-Online-ACs

In den letzten Wochen haben wir alle den Einsatz von Web-Konferenz-Tools geübt. Wir haben sie aber vor allem genutzt, um Gesprächssituationen in den virtuellen Raum zu legen. Zum Beispiel um uns von Homeoffice zu Homeoffice mit Kollegen auszutauschen, Teammeetings abzuhalten oder auch mal mit einem Bewerber, Kunden oder Lieferanten ein Gespräch zu führen.

Web-Konferenz-Tools haben aber auch Potenzial zur Durchführung von Einzel- und Gruppen-Assessments (nicht zu verwechseln mit Online-Testverfahren).  Funktionalitäten wie Bildschirmübergabe, Whiteboard oder Gruppenräume machen einiges möglich. Beobachter oder Teilnehmer können dazugeschaltet, ein- und ausgeblendet werden, über Chats lassen sich Arbeitsanweisungen zielgerichtet in die Gruppe oder an einzelne Personen weiterleiten etc. Hier ein fünf Anregungen für unterschiedliche AC-Elemente:

1 | Begrüßung und Vorstellung

Diese Runde gleicht einer Gruppen-Web-Konferenz, wie man sie aus dem Alltag kennt. Alle Teilnehmer und Beobachter nehmen online mit eingeschalteten Mikrofonen und Bildschirmen teil. In dieser Form kann eine Vorstellungsrunde stattfinden. Dabei sind natürlich in Anlehnung an Kennenlernspiele auch interaktive Optionen (z.B. Einordnung auf Landkarte, Steckbrief (z.B. Ich bin …; meine 3 Hashtags sind…) möglich. Als Moderator kann man außerdem den Ablauf des ACs z.B. an einem Whiteboard oder einer fertigen Grafik, die man ins Plenum teilt, vorstellen. Und last but not least können auch Fragen zur Organisation (insbes. Handling der eingesetzten Tools) geklärt werden.

2 | Präsentation

Jeder Kandidat erstellt eine Präsentation unter Berücksichtung der ihm/ihr (z.B. via Chat) zugesendeten Arbeitsanweisung. Dazu nutzen sie z.B. Powerpoint auf ihrem Endgerät oder ein bereitgestelltes Kollaborationstool. Während der Vorbereitung sind sie entweder aus der Konferenz ausgeloggt oder arbeiten mit abgeschaltetem Mikro/Webcam für sich. Nach der Vorbereitungszeit werden sie wieder in die Runde zugeschaltet und können dann ihre Präsentation via „Bildschirm teilen/freigeben“ halten. Mögliche Nachfragen aus der Beobachterrunde sind unproblematisch möglich. Nach Beendigung der Session kann der Teilnehmer wieder stumm geschaltet werden/sich ausloggen und sich auf die Folgeaufgabe vorbereiten, während die Beobachter eine Nachbesprechung machen oder sich dem nächsten Kandidaten auf gleiche Weise zuwenden.

3 | Rollenspiel

Auch Gesprächssituationen, die typischerweise ja Mitarbeiter-, Kunden- oder Lieferantengespräche repräsentieren, lassen sich gut abbilden. Kandidat und Rollenspielpartner schalten ihre Mikrofone und Webcams an und alle anderen Teilnehmer/Beobachter aus. So entsteht ein Zweier-Gesprächscharakter auch im virtuellen Raum, beobachtet durch die Unternehmensvertreter. Nach dem Gespräch kann dann der Kandidat wieder ausgeklinkt werden, während die Beobachter mit eingeschalteter Webcam/Mikro eine Nachbesprechung machen oder das nächste Rollenspiel angehen können.

4 | Gruppenarbeit

Auch wenn (noch) nicht in allen Video-Konferenzsystemen verfügbar, kann man ein Teilnehmerkreis auch in Gruppen einteilen und in gesonderten virtuellen Räumen (Breakout-Rooms) gemeinsam etwas erarbeiten lassen. So kann sich die jeweilige Gruppe z.B. über eine Fallstudie austauschen und Ergebnisse z.B. via verfügbarem Whiteboard festhalten. Nach abgelaufener Zeit können dieses Ergebnisse dann via „Bildschirm teilen/freigeben“online dem Plenum oder nur den Beobachtern präsentiert werden. Über die Möglichkeit, bei z.B. technischen Problemen den Moderator oder das Backoffice in die Gruppe zu rufen oder via Chat anzusprechen, bleibt auch in der Arbeitsphase der Austausch hin zur Gruppe möglich.

5 | Gruppendiskussion

Mit abgeschalteter Webcam/Mikro der Beobachter kann die Gruppe der Teilnehmer ihre Diskussion führen; die Vorbereitung kann gemeinsam in einem gesonderten Gruppenraum erfolgen, während die Beobachter ggf. die Zuordnung der Kandidaten, die jeder beobachten wird, in einem zweiten Gruppenraum in dieser Zeit besprechen können.

Die Beispiele zeigen, vieles ist möglich. Es bedarf allerdings eines gekonnten Handlings der Web-Konferenz-Technik zumindest beim Moderator oder einer ergänzenden Person im Hintergrund (virtuelles Backoffice). Außerdem empfiehlt es sich, die AC-Beteiligten vor Durchführung des eigentlichen ACs mit einigen grundlegende Funktionalitäten (Bildschirmübergabe, Verteilung auf Gruppenräume, Handzeichen etc.) vertraut zu machen – sowohl mit den Beobachtern als auch mit den Teilnehmern. Das nimmt die Angst vor technischen Problemen, sofern vorhanden. Auch eine klare Aussage, dass mögliche Probleme im Handling sich nicht auf das AC-Ergebnis auswirken, hilft dabei.

Outdoor-Assessment Center

Diese sind eine interessante Alternative, sicher im Frühling, Sommer und Frühherbst mehr als in kalten und regnerischen Jahreszeiten. Outdoor-ACs sind angelehnt an Outdoor-Personalentwicklungsmaßnahmen und entsprechend auch mehr geeignet, um sich ein Bild z.B. über soziale Kompetenzen in unterschiedlichen Gruppensituationen zu machen. Gerade bei Nachwuchskräften nimmt diese Durchführungsform Assessment Centern aber auch den formellen Charakter und erhöht den Spaßfaktor.

Es gibt viele Möglichkeiten, Aufgaben zu konzipieren, bei denen Kandidaten gemeinsam etwas erkunden, bauen, bewerkstelligen oder in einer gänzlich anderer als einer Firmenumgebung (z.B. auf einer Wanderhütte, am Lagerfeuer oder … ) miteinander ins Gespräch bzw. in Diskussion kommen. Anregungen finden Sie hier.  Seien Sie mutig und kreativ und feilen Sie nach der Durchführung an den Aufgaben. Auch Vorstellungsrunden oder Selbstpräsentationen können anders laufen als gewohnt mit Flipchart oder Präsentationsfolien. Es eröffnen sich Abwandlungen zu spielerische Varianten, z.B. in dem man einen Gegenstand aus der Natur als Symbol für die eigene Person nimmt und darauf basierend sich vorstellt.

Unternehmen, die Outdoor-Methoden einsetzen, beobachten, dass Teilnehmer „draußen“ leichter ihr Ich zeigen und sich authentischer verhalten, teilweise sogar vergessen, wozu sie überhaupt an der Veranstaltung teilnehmen. Gerade bei der Bewertung von Sozialkompetenz ist das ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

Last but no least

Machen Sie das beste aus der aktuellen Situation und probieren Sie einfach mal was Neues aus. Vielleicht gefallen Sie Gefallen daran und ihr „Modell“ bewährt sich auch für andere Zeiten.  Es muss nicht alles auf Anhieb perfekt laufen – das nicht ganz Perfekte macht Sie als Arbeitgeber gerade bei Nachwuchskräften durchaus auch sympathisch. Was aber auch nicht heißt, dass Alternativen zu lang erprobten Inhouse-ACs chaotisch verlaufen sollten. Gute Vorbereitung der Durchführung und Übungen, ein erfahrener Moderator, der auch unbekannte und ungeahnte Situationen souverän managen kann, ein ggf. technisch erfahrenes Backoffice und die Einhaltung der Grundprinzipien eines ACs zur Sicherstellung einer objektiven Vergleichbarkeit der Kandidaten in relevanten Anforderungen dürfen nicht vergessen werden. Das müssen auch Bewerber spüren können, selbst wenn mal etwa schief laufen sollte. Dann können diese Alternativen in sehr guter Erinnerung auch bei den Kandidaten bleiben.

Übrigens, im ersten Teil unseres neuen Formats „Blogreader“ gibt es viele weitere Tipps und Impulse für Ihr Recruiting – mit ganz speziellem Fokus auf Interview und ACs im Azubi-Recruiting:

Blogreader Azubi Auswahl Interview AC  Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern!

Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
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