Reduzieren Sie „Bewerber-Ghosting“ vor Kennenlernterminen

erstellt am: 31.07.2019 | von:

 

Bewerber-Ghosting

Recruiting Impuls | „Bewerber-Ghosting“ passiert immer wieder und scheint zunehmend salonfähig: Interessante Kandidaten, die man zum persönlichen Kennenlernen eingeladen hat, erscheinen einfach nicht zum Termin und sind auch nicht mehr erreichbar. Die ganze Vorbereitung von Terminfindung, Raumreservierung, Organisation von Bewirtung und ggf. Arbeitsplatzbesichtigung, Planung von Folgeterminen –  alles für die Katz. Als Recruiting Business Partner ist das nicht nur persönlich ärgerlich, sondern verärgert auch die übrigen Beteiligten, die ihre Zeit auch nicht gestohlen haben. Aus der Praxis für die Praxis, hier ein paar erprobte Tipps:

Wie man „Bewerber-Ghosting“ vorbeugen kann

1 | Laden Sie zeitnah zur Bewerbung ein

Bewerber mögen keine lange Wartezeiten, sie lieben schnelle Prozesse. Wer eine interessante Stelle für sich entdeckt hat oder darauf angesprochen wurde und sich beworben hat, ist „heiß“ darauf, mehr zu erfahren. Und wünscht sich natürlich, dass es der anderen Seite auch so geht. Daher sollten Sie einen auch für Sie interessanten Kandidaten nicht lange warten lassen und das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Je länger man Kandidaten im ungewissen lässt, desto höher das Risiko des „Bewerber-Ghosting“. Das setzt natürlich einen mit dem Fachbereich am besten schon im Briefing gut abgestimmten Prozess mit entsprechendem Terminmanagement voraus.

2 | Realisieren Sie Terminwünsche von Bewerbern

Statt Kennenlern-Termine vorzugeben, rufen Sie Kandidaten besser kurz an und schauen Sie gemeinsam in den Kalender. Bieten Sie auch Randzeiten an oder realisieren Sie Termine an Homeoffice-Tagen. Und wenn eine Anreise für Kandidaten schwierig ist, bieten Sie ein Videointerview an. Sprechen Sie durchaus auch die Option einer nachgelagerten bewerberseitigen Terminverschiebung/ -absage an und bitten Sie im Fall der Fälle um frühzeitige Kontaktaufnahme. So signalisieren Sie Kandidaten, dass Sie vieles möglich machen, um sie kennenzulernen. Das erzeugt bei Bewerbern durchaus ein positives Gefühl und verringert das Risiko des „Bewerber-Ghosting“.

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3 | Bestätigen Sie vereinbarte Termine und nehmen Sie Anspannung

Eine Bestätigung per E-Mail mit relevanten Infos wie Termin, Uhrzeit, Ort, Treffpunkt, Anfahrt und Teilnehmer sowie ggf. Reisekostenerstattung sollte obligatorisch sein. Mit Sprechsprache und Besonderheiten heben Sie sich ab. Das kann z.B. ein Hinweis auf Inhalt oder Kleidungsstil, ein interessanter Betreff,  ein iCalendar-Eintrag oder Links zu nicht öffentlichen Unternehmens-Infos und/oder z.B. den Xing-Profilen der Gesprächspartner sein. So steigern Sie nicht nur die Vorfreude auf den Termin und bestätigen dem Kandidaten, sich richtig entschieden zu haben. Sie lassen auch gar nicht erst die Idee eines „Bewerber-Ghosting“ aufkommen.

4 | Nehmen Sie vor dem Termin nochmals Kontakt auf

Zeigen Sie Ihre Freude auf das Kennenlernen. Klären Sie, ob terminlich und von der Reiseorganisation her alles geklappt hat und noch Fragen offen sind. Geben Sie ggf. noch ein paar Insider-Tipps: z.B. Welche Buslinie ist schneller. Liegt der Taxistand x oder y näher. Ist irgendwo eine Baustelle auf der Zufahrt. Gibt es ein empfehlenswertes Bistro/Cafe, falls man noch etwas Zeit hat. Sollte zwischen Terminvereinbarung und Termin doch ein größeres Zeitfenster liegen, fragen Sie ruhig nach, ob sich zwischendurch etwas an der Interessenslage geändert hat. Eine solche Termin-„Erinnerung“ kostet zwar etwas Zeit, frischt aber das Interesse bei Kandidaten auf, nimmt Anspannung und führt im Falle einer bewerberseitigen Vorab-Absage zur Zeitersparnis bei allen Beteiligten. Ein „Bewerber-Ghosting“ wird überflüssig.

5 | Informieren Sie die „Empfehler“

In vielen Unternehmen gibt es ein Mitarbeiter-Empfehlungssystem. Sollte dies nicht eh obligatorisch sein, informieren Sie die Empfehlenden über die Gesprächseinladung von Kandidaten. Dazu müssen Sie keine Details bekannt geben. Setzten Sie darauf, dass Mitarbeiter Ihres Hauses und Empfohlene miteinander im Kontakt stehen. Und darauf, dass eigene Mitarbeiter ggf. darauf hinwirken, dass Kandidaten bei nachgelassenem Interesse/inzwischen angenommener anderer Stelle zumindest einen vereinbarten Termin absagt und kein „Bewerber-Ghosting“ betreibt.

Link zwischen „Bewerber-Ghosting“ und Candidate Experience

Wer aufmerksam gelesen hat, stellt fest: bei diesen Tipps dreht sich ganz viel um offene und transparente Kommunikation. Und darum, Kandidaten ein gutes Gefühl zu geben. Das gilt übrigens nicht nur für das Phänomen des „Bewerber-Ghosting“ vor Kennenlernterminen, sondern auch für das Abtauchen von Kandidaten nach Terminen. Praxistipps dazu finden Sie z.B. hier oder hier.

Bewertungen von Bewerbern auf einschlägigen Arbeitgeberbewertungsportalen sowie regelmäßig durchgeführte Bewerberbefragungen geben Hinweise, wie gut man die Candidate Experience im Kennenlernprozess gestaltet hat und an welchen Stellschrauben gerade in Bezug auf Kennenlerntermine es sich zu arbeiten lohnt. Bei der Analyse von Prozessdauern können auch entsprechende KPIs weiterhelfen. Kurzum: „Bewerber-Ghosting“ ist sicher nicht gänzlich vermeidbar, aber durch aktive Kommunikation und laufende Analyse der Candidate Experience reduzierbar.

Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
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