Webinare für´s Recruiting: Productplacement vs. Weiterbildung

erstellt am: 12.04.2016 | von:

Webinare im Recruiting

© elnariz – Fotolia.com

Weiterbilden, das wollen sich laut aktuellen Studien gerade in diesem Jahr viele. Und auch für Bewerber scheint Weiterbildung eines der TOP-Themen im Vorstellungsgespräch zu sein. Das gilt beides auch für Recruiter und Personalmarketer sowie Recruiting Manager in den Fachbereichen. Aber Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander. Warum? Nun die liebe Zeit. Es sind die zeitlichen Restriktionen, die viele im Tagesgeschäft erleben. Deshalb greift man gerne zu Lösungen, die (vermeintlich) Zeit sparen helfen. „Gibt es da nicht auch ein Webinar-Angebot zu?“ – die Frage hört man dann gerne mal, wenn man mit Unternehmensvertretern über Weiterbildung zu bzw. Ausbau von Recruitingkompetenzen spricht. 

Der Reiz von Webinaren

Auch zu Recruiting- und Personalmarketingthemen gibt es zahlreiche Webinar-Angebote. Da geht es z. B. darum, wie man die Richtigen einstellt, wie man optimale Bedingungen für Bewerber schafft, wie Stellenanzeigen ansprechend/optimal/perfekt formuliert werden, wie man das passende Bewerbermanagementsystem findet, erfolgreiches Video-Recruiting macht oder die Kunst erfolgreicher Kandidatenansprache aussieht oder ganz grundsätzlich Recruiting richtig macht.

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upo Recruiting-Akademie

Neben den vielversprechenden Inhalten sind die Rahmenbedingungen von Webinaren sehr attraktiv: geringer Zeiteinsatz, kurzfristige z. T. unverbindliche Anmeldung, vertraute Arbeitsplatzumgebung, keine Reisekosten und -zeiten und das vermeintlich Beste – oft kostenlos oder vergleichsweise kostengünstig. Und auch thematisch passende ganz- oder sogar mehrtägige Web-Konferenzen lassen sich finden. Hier ein Beispiel:

Auch solchen Webkonferenzen kann man nebenbei am Arbeitsplatz folgen, sich reinschalten oder abbrechen – und hinterher teilweise sogar noch eine Teilnahmebescheinigung erhalten.

Erwartungsenttäuschungen möglich

Aber bei nicht wenigen Teilnehmern weicht die anfängliche Euphorie einer Enttäuschung. Warum? Weil es bei vielen, insbesondere bei den kostenfreien Webinar-Angeboten eben nicht um das erhoffte komprimierte Vermitteln von fachlichem Know-how, um konkrete Handlungs­­­empfehlungen oder Anwendungs­­­beispiele anderer Unternehmen geht, sondern um mehr oder weniger offensiv dargebotene Anbieter-Präsentationen. Und weil die Referenten häufig keine Recruiting-Praktiker oder Fach-Experten sind, sondern Account Manager, Produkt Manager oder Geschäftsführer von Produkt- oder Dienstleistungsanbietern, deren Ziel es ist, das Produkt bekannt zu machen und Kaufanreize zu setzen.

Dementsprechend sind die x Tipps, wie man dies oder das machen sollte, oft erstaunlich treffend auf das Dienstleistungsspektrum des Webinar-Anbieters zugeschnitten. Auch die Ergebnisse interessant klingender (beauftragter oder eigener) Studien unterstreichen nicht selten die Bedeutung eines bestimmten Dienstleistungsangebots oder laden zu vertiefenden Präsenz-Veranstaltungen bzw. der Bestellung von kostenpflichtigen Studienberichten ein. Werden vertiefende Nachfragen jenseits der Produkte und Dienstleistungen via Chat gestellt, erlebt man gerne mal ein ausweichendes Antworten oder allgemeine Verweise auf andere Anbieter.

Genauer hinsehen: Webinar ist nicht gleich Webinar

Im Gegensatz zu den gerade skizzierten Beispielen, gibt es auch verschiedene Webinar-Angebote am Markt, die eher die Form von Online-Lehrgängen als von Productplacement haben. Zugegeben: die findet man meist nicht in den Mailing-Listen und Gruppen von Xing & Co. und sie sind in aller Regel auch nicht kostenfrei. Dafür bieten sie aber tatsächlich fach-inhaltliche Mehrwerte, ohne dass die o.g. Vorteile verloren gehen, die den Charme von Webinaren ausmachen. Solche Angebote findet man teilweise bei klassischen Offline-Seminaranbietern (z. B. der allseits bekannten Haufe Akademie oder auch bei Nischenanbietern wie uns von upo) oder auf Online-/Videokurs-Plattformen. Ein Beispiel dazu hatten wir vor einiger Zeit schon mal getestet und darüber berichtet.

Summa summarum

Wenn wir zu Webinaren als Weiterbildungsoption im Recruiting angesprochen werden, ist unsere Antwort:

  1. Kostenfreie Webinare von Produktanbietern (Jobbörsen, E-Recruiting-Lösungsanbietern etc.) sind durchaus interessant und oft auch gut gemacht. ABER: bitte mit der richtigen Erwartung hineingehen. Hier werden in aller Regel schwerpunktmäßig Informationen über Lösungen und Angebote der präsentierenden Anbieter vermittelt. Man sollte jedoch – unabhängig vom Webinar-Titel –  eher nur ein paar allgemeine Tipps, aber keine tiefergehende Wissensvermittlung und How-To-Anleitungen für den Arbeitsalltag im Recruiting erwarten.
  2. Wer mehr fachlichen Input sucht, um die eigene Handlungskompetenz im Recruiting weiter auszubauen oder seine Fachkenntnisse zu aktualisieren, für den bieten sich eher Online-Kurse/E-Learning-Angebote an. Diese werden i.d.R. von Fachreferenten angeboten und sind kostenpflichtig (weil Fachreferenten eben mit Seminar-/Webinar-Angeboten ihr Geld verdienen).
  3. Wie bei jeder Auswahlentscheidung ist das A & O auch bei der Auswahl eines Webinars: vorher die eigenen Anforderungen und Vorstellungen klären und Angebote vergleichen. Wenn Informationen fehlen, dann ruhig auch mal den Referenten bzw. Anbieter „googlen“ und im Zweifel Inhalte (telefonisch) hinterfragen. So kann man besser entscheiden, ob das, was man erfahren bzw. lernen möchte, auch wirklich Thema ist. Denn auch ein kostenfreies Webinar ist im Zweifel teuer, wenn es nur Zeit kostet, aber nicht den eigentlichen Bedarf deckt.

Wie sehen Sie das Thema Weiterbildung im Recruiting? Welche Vorstellungen zu und Erwartungen an einschlägige Weiterbildungsangebote haben Sie? Schreiben Sie uns gerne oder machen Sie bei unserer aktuellen Umfrage zur Weiterbildung im Recruiting mit.

 

Übrigens: Aktuell führt Rekrutierungserfolg.de – das Fachportal für das Recruiting – die Weiterbildungsumfrage Recruiting 2016 durch. Nehmen Sie sich bitte ein paar Minuten Zeit und machen Sie mit.

Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
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