Arbeitgeber-Bewertungsportale – Was halten Sie denn davon?

erstellt am: 29.06.2017 | von:

Arbeitgeber-Bewertungsportale - hier gibt's nicht nur Smileys

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Arbeitgeber-Bewertungsportale – man mag zu ihnen stehen, wie man will. Ohne sie zu beachten, ist ein wirkungsvoller Arbeitgeberauftritt praktisch nicht mehr möglich. Jetzt werden Sie vielleicht sagen, dass Kununu & Co. überbewertet werden und sowieso keiner die Bewertungen beachtet oder ihnen Glauben schenkt. Ich denke aber, dass gerade hier eine große Chance für eine authentische und transparente Darstellung als Arbeitgeber zu finden ist. Bewertungsportale sind ja in vielen Bereichen gar nicht mehr wegzudenken – keine Hotelbuchung mehr ohne den Blick in Bewertungen, auch beim Online-Shopping fällt der Blick auf Sterne oder Prozentwerte. Selbst die Suche nach dem passenden Arzt ist immer auch mit Bewertungsplattformen verbunden.

Klar, alles mit Vorsicht zu genießen, aber dennoch präsent und beachtet. Damit ist für mich das Ende der Fahnenstange auch bei Arbeitgeber-Bewertungsplattformen noch lange nicht erreicht. Das zeigt auch der Social Media Atlas 2017: Demnach haben sich bereits 17% der deutschen Internetnutzer auf Jobsuche wegen negativer Bewertung des Unternehmens gegen ein Stellenangebot entschieden.

Zwei Begebenheiten haben mich aktuell zu diesem Thema gebracht. Das eine war ein Vortrag von Frau Dr. Müller (Kununu) auf dem Deutschen Online Personalkongress (#dopk), das andere eine Sparring-Session mit einem Recruiter, der sich um die passenden Mitarbeiter für ein Krankenhaus kümmert.

Arbeitgeber-Bewertungsportale werden vernachlässigt

In der besagten Sparring-Session mit dem Krankenhausrecruiter ging es eigentlich um das Recruiting-Controlling und entsprechende Kennzahlen. Da spielen neben Kosten- und Zeitaspekten natürlich auch Mengenangaben eine Rolle. Eine zentrale Frage dabei: Welche Bewerberquellen liefern welchen Anteil von Bewerbern? Welche Stellenanzeigen auf welchen Plattformen liefern passende Bewerber? In diesem Kontext kamen wir auch auf Soziale Netzwerke und Business Netzwerke zu sprechen, die gerade im Gesundheitswesen und dort gerade von Krankenhäusern oftmals noch stiefmütterlich behandelt werden, wie unsere Studie zur Online Recruiting Praxis von Krankenhäusern und Kliniken (#OReP15) bereits zeigte.

Mein Gesprächspartner berichtete mir von eher längerfristigen Plänen, auch auf Sozialen Netzwerken aktiv zu werden. Arbeitsgeber-Bewertungsplattformen waren noch gar nicht auf dem Schirm, obwohl auch in diesem Fall bereits ein paar wenig vorteilhafte Bewertungen vorlagen. Und dann kamen die Fragen, die bei solchen Gelegenheiten immer kommen. Muss man Arbeitgeber-Bewertungsplattformen überhaupt ein Augenmerk widmen und wenn ja, wie? Und überhaupt, was halten sie davon?

Welche Arbeitgeber-Bewertungsplattformen sind relevant?

Der Platzhirsch in Deutschland ist unumstritten aktuell Kununu. Zahlen zu Unternehmen und Bewertungen sind eindrucksvoll und öffentlichkeitswirksam im zentralen Suchfenster für jeden Besucher ersichtlich. International und auch in Deutschland seit ein paar Jahren im Kommen ist Glassdoor. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Anbieter, die zumindest nach meiner Erfahrung eher eine untergeordnete Rolle spielen. Eine Liste findet sich übrigens in der Recruiting Infothek auf diesem Portal.

Henner Knabenreich hat in 2016 anlässlich verschiedener Befragungen einen kritischen Blick auf Bedeutung und Wirkung von Arbeitgeber-Bewertungsportalen und Arbeitgebersiegeln geworfen. Sein Fazit: Skepsis ist angezeigt, aber auch ein bewusster Umgang mit den Bewertungsportalen durch Arbeitgeber.

Wie soll man mit Arbeitgeber-Bewertungsportalen umgehen?

Zunächst ist mal zu klären, ob überhaupt und welche Bewertungen auf einer Plattform vorliegen. Denn wenn Bewertungen vorhanden sind, dann sollten diese auch bekannt sein. Das bedeutet letztlich auch, die relevanten Arbeitgeber-Bewertungsportale regelmäßig zu scannen oder wo möglich eine Benachrichtigung bei neuen Bewertungen zu initiieren.

Sinnvoll ist auch, Mitarbeiter und Bewerber bei passenden Gelegenheiten auf die Bewertungsmöglichkeiten hinzuweisen, ob im Anschluss an das Mitarbeitergespräch, nach Ende der Probezeit oder auch im Bewerbungsgespräch. Damit verringert man die Wahrscheinlichkeit, dass nur Bewerber/ Mitarbeiter bewerten, die sich nicht so gut aufgehoben fühlten.

Sowohl Kununu als auch Glassdoor bieten an, Bewertungen zu kommentieren. Das kann zwar einige Arbeit machen, ist aber eine sehr gute Gelegenheit, um den Arbeitgeber und seine Unternehmenskultur nach draußen zu tragen. Man kann danken, ggf. richtigstellen, Kritik aufnehmen, Änderungen ankündigen und damit Einblicke in die Unternehmenskultur ermöglichen, die an anderen Stellen nicht in dieser Form möglich sind.

Eine schöne Idee: das Kununu-Toolkit

Es ist zwar wenig überraschend, aber bei dem oben bereits genannten Vortrag auf dem #dopk schlug Sarah Müller in die gleiche Kerbe und überzeugte zudem mit interessanten Insiderdaten. Für mich besonders interessant war der Hinweis auf das Kununu-Toolkit. Das Toolkit kann kostenfrei angefordert werden und enthält eine Reihe von praktischen Helfern, die Möglichkeiten zum aktiven und transparenten Umgang mit Arbeitgeber-Bewertungsportalen aufzeigen. Neben Leitfäden und Formulierungshilfen gibt es auch Informationsmaterialen vom Banner für’s Web bis hin zum Tabletteinleger für die Kantine.

Arbeitgeber-Bewertungsportale: Chance für authentische Arbeitgeber-Präsentation

Nun bin ich gespannt, ob mein Sparring-Partner neben dem Recruiting-Controlling sein Augenmerk auch den Arbeitgeber-Bewertungen zuwenden wird. Dass sein Krankenhaus bislang hier nicht aktiv war, ist übrigens kein Einzelfall. In unserer Studie zur Online Recruiting Praxis (#OReP15) hatten wir bereits feststellen können, dass Krankenhäuser die Möglichkeiten der Arbeitsgeber-Bewertungsportale praktisch nicht nutzen.

  • 54% der Krankenhäuser und Kliniken waren überhaupt nicht auf Kununu vertreten.
  • Nur 8% hatten mehr als 10 Bewertungen.
  • Keins der 63 Häuser nutzte die Möglichkeit, die Bewertungen zu kommentieren.

Es gibt hier also nicht nur viel zu tun. Es existiert auch die Chance, sich durch schnelles und professionelles Handeln von der Arbeitgeberkonkurrenz abzuheben. Und das gilt sicher nicht nur für die Krankenhausbranche. Denn mit zunehmendem Wettbewerb um Arbeitskräfte müssen sich alle Unternehmen Gedanken machen, wo und wie sie sich potenziellen Kandidaten präsentieren wollen. Und Arbeitgeber-Bewertungsportale bieten dabei viele Möglichkeiten, authentische Einblicke in die Unternehmenswirklichkeit und Unternehmenskultur zu geben.

 

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Karl-Heinrich Bruckschen
... unterstützt mit upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg Arbeitgeber bei der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Checks und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung von IT und Recruiting.
Bisherige Kommentare:

Arbeitgeberbewertungsportale liefern einen erweiterten Einblick in Unternehmen. Das stimmt. Allerdings gibt es einige Sachverhalte, die beachtet werden müssen:
1. Repräsentativität
In der alten Schule des Marketings und Marketingforschung findet man die Feststellung, dass auf 10 Beschwerden ein Lob vergeben wird. Ein Eintrag findet dann statt, wenn ein critical incident eine Person dazu bewegt, aus Eigenmotivation heraus einen Eintrag zu schreiben. Diese Selbstselektion in der Stichprobe kann nie Repräsentativ sein, wie im Artikel bereits erwähnt wurde, finden sich einige Unternehmen mit nicht gerade „positiven“ Einträgen – hier sei also eine Aktivität des Unternehmens vonnöten.
2. Authentizität
Damit ist die Authentizität ebenfalls nicht gewährleistet, denn diese Aktionen „motivieren“ ja die Angestellten, positive Statements zu formulieren und zu veröffentlichen. Authentisch wären die Informationen dann, wenn sie repräsentativ und vollständig wären. Das sind sie nicht.
3. Alternativen
Eine Alternative mit bestmöglicher Repräsentativität und Authentizität liefert die Veröffentlichung der Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen und die klare Beschreibung der Optimierungsprozesse im Unternehmen. Denn nur das ist offen, ehrlich und greifbar. Aufgrund des höheren Aufwandes wird diese Form der Umsetzung aber nur selten gehandhabt.
Great Place to Work liefert hier einen Ansatz, der diskutabel ist, allerdings werden hier die falschen Inhalte promotet: nämlich die Zufriedenheitsergebnisse der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Das ist aber unterm Stich nicht das entscheidende Kriterium, entscheidend ist vielmehr, wie mit den weniger positiven Bewertungen umgegangen wird: Ist das Thema (sind die Themen) überhaupt wichtig? Soll ein Verbesserungsprozess eingeleitet werden? Ist der bereits eingeleitet? Wie soll verbessert werden? Wie wurde Verbessert?
Tatsache ist, dass es Glassdoor und Kununu gibt. Sinnvoll sind diese Portale nicht, da sie ein statistisch nicht valides und somit verfälschendes allgemeines Bild eines Unternehmens liefern. Da aber die meisten User der Portale diese Fehlerpotenziale überhaupt nicht in Betracht ziehen und die „Ergebnisse“ als Wahrheit annehmen (obgleich sie in ihrer Wirkung „fake news“ sind), muss man sich mit den Einträgen auseinandersetzen.

Vielen Dank, Herr Dicke, für Ihren substanziellen Kommentar, der richtigerweise die Aussagekraft der Bewertungen auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen in Hinblick auf Repräsentativität und Authentizität kritisch betrachtet.

Mitarbeiterbefragungen durchzuführen und mit den Ergebnissen transparent und konstruktiv umzugehen, ist auch aus meiner Sicht die bessere Alternative.

Öffentliche Bewertungsportale, ob nun für Arbeitgeber, Hotels, Ärzte oder Restaurants, sind aber nicht mehr wegzudenken und nach wie vor auf dem Vormarsch. Deshalb empfehle ich auch, die Bewertungen im Auge zu behalten und die Portale soweit möglich für die eigene Präsentation zu nutzen.

[…] Selan von HRWeb diskutiert die Basics für das Employer Branding. Wir haben uns die Bedeutung von Arbeitgeberbewertungsportalen angesehen. Und ein Praxisbeispiel zum Pflegebereich findet sich bei […]

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