Vorhang auf – Reale Unternehmenseinblicke für Bewerber

erstellt am: 28.08.2015 | von:

Reale Unternehmenseinblicke für BewerberSo läuft das persönliche Kennenlernen eines Arbeitgebers in der Mehrzahl der Fälle ab: Der Bewerber kommt im Unternehmen an, meldet sich beim Empfang, wird abgeholt und in einen Besprechungsraum geführt. Hier trifft er auf den Recruiter oder/und Recruiting Manager und führt mit diesen ein Gespräch. Anschließend wird er zum Empfang zurückgebracht und verlässt das Unternehmen. Was nimmt er mit: ein paar Eindrücke vom Empfang und zu den Gesprächspartnern, zusätzlich Informationen, die diese ihm gegeben haben. Das ist recht wenig – viele Bewerber würden gerne mehr Einblicke bekommen. Warum also nicht einmal darüber nachdenken, das persönliche Kennenlernen mit realen Unternehmenseinblicken zu einer besseren Kandidatenerfahrung werden zu lassen?

Live-Einblicke an sich sind bereits eine positive Erfahrung

Für Bewerber ist es wichtig, zu sehen, wie das Arbeitsumfeld aussieht. Natürlich kann dazu Material z.B. auf der Karrierewebseite bereitgestellt werden. Einfacher, glaubwürdiger und noch authentischer ist es allerdings, Bewerbern einen persönlichen Live-Einblick zu gewähren. Grundsätzlich bieten sich dazu drei Formen an:

Unternehmens- und Arbeitsplatzbesichtigung

Ein Rundgang bietet sich bei Einzelgesprächen und insbesondere beim Assessment Center oder Bewerbertag an. Stationen auf der Tour können zentrale Treffpunkte und typische Räume sein, die im Arbeitsalltag eine Rolle spielen wie z.B. Besprechungsräume, Kantine oder Pausenraum sein. Auch der potenzielle Arbeitsplatz oder die potenziellen Arbeitsplätze sollten in Augenschein genommen werden können. Der Bewerber sollte einen Eindruck von dessen/deren Lage, Größe, Ausstattung bekommen und erfahren, wer seine Kollegen sind. Daher ist es gut, wenn einige Kollegen beim Rundgang anwesend und gerade bei der Arbeit sind.

So bekommt z.B. ein Bewerber für ein Call Center einen Eindruck von der Arbeit in einem Großraumbüro, wie Kollegen sich gegenseitig helfen, wie sie einen Überblick über das Anrufaufkommen behalten und gecoacht werden. Oder ein Bewerber für einen Produktionsbereich sieht, mit welchen Materialien und Maschinen gearbeitet wird, wie arbeitsteilig vorgegangen wird, wie die Kollegen miteinander umgehen, welche Schutzkleidung notwendig ist und wie z.B. die Arbeitszeit erfasst wird.

Während des Rundgangs kann man zusätzlich auf Besonderheiten hinweisen, z.B. dass die Kantine auch für Betriebsfeste genutzt wird, unter den Bäumen im Hof immer das Foto der neuen Azubis geschossen wird, bestimmte Getränke kostenfrei sind oder im Foyer gerade ein Aktionstag zum Betrieblichen Gesundheitswesen läuft.

Treffen künftiger Kollegen

Eine andere Option, mehr über das Arbeiten und die Zusammenarbeit im Unternehmen zu erfahren, sind Austauschmöglichkeiten mit künftigen Kollegen oder Vertretern einer vorherigen “Kohorte” z.B. von Auszubildenden oder Trainees. Dazu kann man z.B. unbeobachtete Fragerunden organisieren oder informelle Gelegenheiten wie z.B. ein gemeinsames Essen in der Kantine ermöglichen.

Hospitation

Sozusagen als Kombination aus den beiden erstgenannten Optionen kann eine halb- bis eintägige Hospitation gesehen werden. Hier wird dem Kandidaten die Gelegenheit gegeben, einen typischen Arbeitstag mitzuerleben. In der Regel steht ihm dazu ein potenzieller Kollege als Pate zur Seite. Dieser zeigt ihm, was er täglich so macht, welche Kontakte er im Haus wie pflegt, wie typische Abläufe in der Abteilung sind und wie Pausenzeiten verbracht werden.

Organisationsaufwand in Grenzen halten

So schön und gut solche Live-Einblicke für Bewerber sind, so aufwändig können sie für die Arbeitgeber sein. Und das ist oft auch der Grund, warum darauf verzichtet wird. Hier ein paar Tipps, die helfen, den Aufwand in Grenzen zu halten:

  • Legen Sie für verschiedene Besetzungsprojekte fest, in welchem Auswahlschritt ein guter Zeitpunkt für weitere Unternehmenseinblicke ist.
  • Gewinnen Sie in den verschiedenen Abteilungen Repräsentanten für Arbeitsplatzbesichtigungen, Kollegentreffen bzw. Hospitationen und briefen Sie diese.
  • Legen Sie organisatorische Spielregeln fest, z.B. welche Unterlagen, Programme eingesehen werden dürfen, welche Aufgaben ein Bewerber selbst ausführen darf, ob und welche Hinweise zur Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz gegeben werden müssen.

Und last but not least: Holen Sie sich nach den Live-Situationen ein Feedback von den Teilnehmern ab. Auch ein Blick auf Arbeitgeberbewertungsplattformen kann Erhellung bringen. Was posten Bewerber hier als interessant oder auch nicht, wie äußern sie sich zum Unternehmen und den Live-Einblicken etc. So erfahren Sie, was gut angekommen ist und was vermisst wurde. Das hilft Ihnen, sich auf die Aspekte zu fokussieren, die Nutzen bringen und die Dinge wegzulassen, die kaum von Interesse sind.

Der Beitrag ist Teil der Blog-Serie “Candidate Experience – konkret”.

Hier finden Sie verschiedene Artikel zu bewerberorientiertem professionellen Recruiting entlang des gesamten Recruiting Prozesses. Mehr über die Artikel-Serie lesen Sie in unserem Editorial – hier gibt es auch eine verlinkte Übersicht über alle Blog-Beiträge der Serie.

 

Bildquelle: © peshkova – Fotolia.com

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
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