Live und in Farbe – Videointerviews zu einer guten Erfahrung für Bewerber machen

erstellt am: 10.08.2015 | von:

Recruiter in VideointerviewZur Beschleunigung von Recruiting Prozessen nutzen Unternehmen oft Video-Konferenz-Tools. Ob für Live-Interviews, die z.B. Erst-Interviews ersetzen oder für zeitversetzte Video-Interviews, die gerne mal als Alternativen für Telefoninterviews in den ersten Auswahlschritten eingesetzt werden.

Video-Interviews sind keine Einbahnstraße: nicht nur der Recruiter oder Recruiting-Manager bekommt einen ersten persönlichen Eindruck vom Kandidaten, auch umgekehrt. Und dabei kann so einiges schief gehen, was den Eindruck der Kandidaten von Unternehmen beeinflusst. Für beide Seiten gilt: authentisch ja, aber auch bitte professionell.

Hier ein paar Beispiele aus Coachings, die zeigen, was schief gehen kann und worauf man achten sollte, um einen guten Eindruck bei Bewerbern zu hinterlassen.

Akustische Störungen beeinträchtigen das Gespräch

Herr M. hat gerade ein Videointerview mit einem Traineebewerber begonnen, als ein Kollege mit den Worten in den Raum stürmt: “Hör mal, Sven, ich hab´da gerade gehört, dass …. “. Herr M. winkt eilig ab. Kaum ist die Situation gemeistert klingelt das Telefon auf dem Nachbarschreibtisch und irgendwann dann auch noch sein Mobiltelefon auf dem Schreibtisch.

Frau P. sitzt mit einem Kollegen in einem Doppelbüro. Während sie das Videointerview führt, arbeitet der Kollege weiter: er tippt wie wild auf der Tastatur, geht rein und raus und sucht Unterlagen im Schrank. Zwischendurch macht der Kollege noch das Fenster auf, um frische Luft hineinzulassen. Von unten schallt Straßenlärm herauf und in einem Nebenbüro scheint jemand am geöffneten Fenster zu stehen und zu telefonieren.

All das erschwert die eigene Konzentration, lenkt aber auch den Bewerber auf der anderen Seite ab und signalisiert wenig Wertschätzung ihm gegenüber.

Unsere Tipps:

  • Suchen Sie sich möglichst einen ungestörten Raum, insbesondere wenn Sie in einem Doppel- oder Großraumbüro sitzen.
  • Informieren Sie Ihre Kollegen.
  • Stellen Sie potenzielle Lärmquellen ab.

Die eingesetzte Technik funktioniert nicht störungsfrei

Herr B. führt das Videointerview via Tablet aus einem Besprechungsraum heraus. Er merkt, dass die Verbindung nicht gut ist und fragt immer mal wieder nach, ob der Bewerber ihn verstehen kann bzw. entschuldigt sich, dass er die Antwort gerade nicht vollständig hören konnte. Zu allem Überfluss stellt er fest, dass sein Akku zur Neige geht.

Bei der Videotelefonie kommt es häufig zu kurzen Übertragungsverzögerungen. Das macht auch Frau K. zu schaffen. Immer wieder kommt es zu der Situation, dass sie versucht, den Bewerber zu unterbrechen oder schnell eine Antwort zu geben. Leider kommen ihre erste Silben oft nicht an, der Bewerber stutzt, und man hört ein gegenseitiges “Entschuldigung – Sie wollten (noch) etwas sagen…”.

Herr T. merkt, dass es ein paar technische Probleme gibt und versucht diese durch Aufruf der Einstellungen des Tools zu lösen. Als ihm das nicht direkt gelingt, unterbricht er den Kandidaten: “Einen Moment Herr Q. – ich muss gerade mal unterbrechen, aber irgendwie haben wir ein paar technische Probleme. Ich rufe mal gerade das Menü auf – ach ja, hier kann man die Lautstärke regulieren. Dann versuchen wir es doch mal damit. Können Sie gerade mal etwas sagen, damit ich checken kann, ob es jetzt besser ist?”

Auch diese Fälle zeugen nicht von einem professionellen Umgang mit der eingesetzten Technik. Die Störungen lenken vom eigentlichen Gespräch ab und beeinträchtigen auch die gegenseitige Wahrnehmung und anschließende Bewertung der Situation.

Unsere Tipps:

  • Achten Sie auf eine gute Ausrichtung Ihrer Kamera.
  • Stellen Sie bei mobilen Geräten sicher, dass das Akku geladen ist und machen Sie einen Vorab-Check der eingesetzten Technik/Geräte.
  • Berücksichtigen Sie, dass die Übertragung von Wort und Bild mit leichten Verzögerungen verbunden sein können; anders als im direkten Gespräch muss man stärker darauf achten, sein Gegenüber ausreden zu lassen und im Dialog kurze Pausen einzuräumen.
  • Machen Sie sich mit den technischen Einstellungsmöglichkeiten verwendeter Tools vertraut.

Der Recruiter präsentiert sich unvorteilhaft

Frau P. hat ein schönes helles Büro – hinter ihr und neben ihr ist ein Fenster. Das Licht fällt unvorteilhaft auf sie, weil sie im Gegenlicht sitzt. Sie bewegt sich außerdem viel während des Videointerviews. Mal beugt sie sich nach vorne und kommt der Kamera sehr nahe, mal lehnt sie sich bequem zurück und rollt auf ihrem Bürostuhl noch etwas vom Schreibtisch ab. Dadurch wirkt ihr Gesicht mal überdimensioniert oder sehr weit weg. Als sie sich noch nach rechts bewegt, um eine Unterlage zu suchen, war sie zeitweise ganz aus dem Bild heraus.

Frau G. ist ein visueller Typ. Hinter ihrem Schreibtisch ist ein großes Whiteboard angebracht, auf dem neben (vertraulichen) Informationen auch einige Bilder von der Familie und Kollegen mit Magneten befestigt sind. Auch präsentiert sie sich dem Kandidaten in wahrsten Sinne des Wortes “glänzend”. Nicht nur dass Stirn und Nase sehr stark glänzen, auch ihr großflächiger Schmuck spiegelt das Licht und führt zu Reflexionen.

Unsere Tipps:

  • Setzen Sie sich so, dass Sie möglichst direkten Blickkontakt mit einem Bewerber haben und halten Sie angemessenen Abstand zur Kamera.
  • Achten Sie auf eine gute Ausleuchtung.
  • Stellen Sie sich die Technik so ein, dass Sie in einem kleinen Bildausschnitt sich möglichst auch selbst sehen können.
  • Achten Sie auf Ihre Umgebung – sie wird mit übertragen.
  • Vermeiden Sie Schmuck und Assessoirs, die ungünstig reflektieren können.
  • Gegen eine glänzende Stirn oder Nase hilft etwas Puder oder Abtupfen.

Und last but not least gilt für Videointerviews das gleiche wie auch für Telefoninterviews: die vom Bewerber wahrgenommene Qualität steht und fällt mit der Vorbereitung und dem Inhalt der Gespräche sowie dem wertschätzenden Auftreten des Interviewpartners. Bereiten Sie sich daher gut auf das Videointerview vor und verwenden Sie möglichst einen Interviewleitfaden für ein strukturiertes Interview. Idealer Weise informieren Sie den Bewerber vorab über das, was auf ihn zukommt, ihre Ziele und die einzuplanende Zeit. Eröffnen Sie dem Bewerber die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen und gehen Sie mit einer verbindlichen und klaren Vereinbarung aus dem Gespräch heraus.

Für Videointerviews wie für andere Bewerberkontaktsituationen kann ich abschließend nur empfehlen: holen Sie sich von Zeit zu Zeit Feedback ein: von Bewerbern wie von Kollegen/Trainern oder Coaches.

Der Beitrag ist Teil der Blog-Serie “Candidate Experience – konkret”.

Hier finden Sie verschiedene Artikel zu bewerberorientiertem professionellen Recruiting entlang des gesamten Recruiting Prozesses. Mehr über die Artikel-Serie lesen Sie in unserem Editorial – hier gibt es auch eine verlinkte Übersicht über alle Blog-Beiträge der Serie.

 

Weiterer Lesestoff zum Thema:

  • http://intercessio.de/20-tipps-recruiting-video-interview/
  • http://business24.ch/2015/03/25/von-der-frage-danach-profitieren-so-gehen-professionelle-kandidatenfeedbacks-im-recruiting/

Bildquelle: © FotolEdhar – Fotolia.com

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
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