Mehr Gesicht zeigen im Recruiting – Recruiting ist People Business

erstellt am: 19.02.2015 | von:

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Recruiting ist People Business

Personaler/Recruiter sind der Dreh- und Angelpunkt im Zusammenspiel der Akteure im Recruitingprozess: Kandidaten, Personal-Entscheider, interne Kollegen z.B. in IT, Marketing oder Einkauf sowie externe Recruiting Partner. Da gibt es jede Menge Möglichkeiten, Situationen für und mit anderen Beteiligten so zu gestalten, dass sie als positive Erfahrung wahrgenommen werden. Genau das wird aber oft von Bewerbern, Personal­entscheidern und auch Kooperationspartnern zu wenig erlebt. Die Folge: Recruiting wird als wenig professionell abgestempelt. Was machen Personaler/Recruiter anders, die als professionelle Akteure wahrgenommen werden?

Die Antwort ist: Sie zeigen Gesicht und betreiben aktives People Business. Sie tun genau das, was viele Personaler/Recruiter als Grund für ihre Berufsentscheidung angeben: aktiv mit Menschen arbeiten.

Wie das konkret in der Praxis aussieht, haben wir hier anhand von Beobachtungen und Rückmeldungen zusammen­gestellt.

Professionelle Recruiter – Akteure mit vielen Gesichtern

Gesicht zum Bewerber

In aller Regel sind es die Personaler/ Recruiter, die als erster Ansprechpartner für Bewerber fungieren. Ob auf Messen und Recruiting-Events, als Ansprechpartner für Fragen, als Adressat für Bewerbungen und Bezugsperson während des Auswahlverfahrens.

Aktiv Gesicht zeigen bedeutet in diesem Zusammenhang:

  • Erkennbar als Ansprechpartner auftreten, d.h. sich als Kontaktperson in Anzeigen, auf der Internetseite und in Social Media zeigen und dort auch mehr als den Namen über sich preisgeben.
  • Proaktiv auf potenzielle Kandidaten zugehen. Dabei aber nicht wahllos Personen ansprechen, sondern gezielt nach Anknüpfungspunkten suchen und Beziehungen aufbauen und pflegen.
  • Die Arbeitgebermarke zu leben. Steht diese z.B. für Flexibilität, Respekt oder Offenheit sollte sich das auch im Bewerberkontakt z.B. durch Flexbilität in der Terminvereinbarung, Respekt vor getroffenen Entscheidungen oder in ungeschönten Informationen und Bewerberfeedback widerspiegeln.
  • Die aktive und direkte Kommunikation zu Kandidaten pflegen, verbindliche Absprachen treffen und dafür Sorge tragen, dass diese auch eingehalten werden, Rückmeldungen geben.

Gesicht zum Personalentscheider

Personal-Entscheider sind meist die internen Auftraggeber in Sachen Recruiting. Sie äußern ihren Personalbedarf und erwarten von den Personalern/ Recruitern, dass diese den Bedarf gemäß ihren Anforderungen decken.

Gesicht zeigen und aktives People Business betreiben heißt in diesem Kontext:

  • Den Beschaffungsauftrag nicht nur annehmen, sondern konkretisieren. D.h. die Anforderungen klären oder schärfen und bzgl. der Eckpunkte wie gewünschter Besetzungstermin, Gehaltsrahmen die realistischen Machbarkeiten aufzeigen und eine Abstimmung suchen.
  • Sich ein genaues Bild vom Aufgabenbereich machen, um Anforderungen zu verstehen und in der Beschreibung von Anforderungen beratend zu unterstützen und passende Auswahlinstrumente einzusetzen.
  • Klare Vereinbarungen zum Auswahlprozess, zur Kommunikation und den beiderseitigen Rollen herbeiführen und diese bei Bedarf im Prozessverlauf einfordern.
  • Im Sinne eines “lessons learned” Feedback geben und Feedback einfordern nach Abschluss eines Auswahlverfahrens.

Gesicht zeigen zu internen Schnittstellen

Recruiting greift auf vielerlei interne Dienstleistungen anderer Bereiche zurück. Ob die Beschaffung von Systemen oder Dienstleistungen, die Auswertung von Daten oder die Konzeption von Personalmarketing oder Employer-Branding-Maßnahmen – in allen Themen spielen weitere Abteilungen in die Aufgaben von Recruitern/ Personalern hinein.

Gesicht zeigen bedeutet in diesen Fällen:

  • Eigene Anforderungen feststellen und konkretisieren, aber auch für Beratung von Fachexperten aus den angrenzenden Abteilungen offen sein.
  • Klare und realistische Vorstellungen im Hinblick auf Bereitstellungstermine, Rollenteilung/ Entscheidungskompetenz, Budget etc. äußern.
  • Keine Konsumentenhaltung einnehmen, sondern aktiv zur Zielerreichung beitragen, z.B. durch Bereitstellung benötigter Informationen, verbindliches Einhalten von Zusagen, Suchen regelmäßiger Abstimmungen.

Gesicht zeigen zu externen Recruiting-Partnern

Das heutige Recruiting ist sehr komplex, volatil und technisiert; die Zusammenarbeit mit externen Produktanbietern und Dienstleistern ist daher oft geübte Praxis. Damit die Lösungen wirklich passen und die Zusammenarbeit reibungslos verläuft, ist auch in der Kooperation mit externen Partnern Professionalität notwendig.

Gesicht zeigen und People Business mit Dritten betreiben meint hier:

  • Vorab Gedanken über die eigenen Anforderungen und Erwartungen an Produkte, Dienstleistungen und das Zusammenspiel machen und die eigenen Anforderungen an Leistungen klar beschreiben, gewichten und kommunizieren.
  • Faire vertragliche Vereinbarungen treffen und einhalten, d.h. marktgerechte Preise/ Honorare, angemessene Zahlungsziele, Austritts-/ Kündigungsklauseln, gegenseitige Informations- und Kommunikations­pflichten etc.
  • Die Leistungserbringung controllen, Fehler und Unzufriedenheiten frühzeitig zurückmelden, ggf. notwendige Nachbesserungen einfordern und zulassen.
  • Gute Leistung honorieren und als Referenz zur Verfügung stehen.

Die Klammer: Professionelles Recruiting ist People Business

In diesem Sinne ist professionelle Recruiting vor allem eines: People Business. Und wie die beiden Worte bereits zum Ausdruck bringen, geht es hier um

  • People, also darum aktiv mit Menschen unterschiedlicher Art und Interessen fair und “menschlich” auf Augenhöhe umzugehen und sich selbst einzubringen,
  • Business – an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, nämlich Stellen und Kandidaten bestmöglich zusammenzubringen und damit Rekrutierungs­erfolg zu verwirklichen.

Mir scheint das People Business zu kurz zu kommen, wenn darüber diskutiert wird, dass Algorithmen und Roboter das Recruiting übernehmen können, der Einsatz günstiger Kräfte Vorrang vor Erfahrung hat, Fach- und Personalbereiche darum kämpfen, wer die besseren Recruiter sind, interne Machtkämpfe um Entscheidungshoheiten z.B. zwischen Einkauf, IT und HR ausbrechen oder Dienstleister und Berater pauschal schlechtgeredet werden.

Professionell agierende Personaler/ Recruiter, die Gesicht zeigen und People Business im wahrsten Sinne des Wortes betreiben, setzen hier einen Kontrapunkt und beweisen, dass es im Recruiting nicht um Algorithmen, Technologien und stures Abarbeiten von Prozessen und Checklisten geht – sondern um das Miteinander von Menschen.

Und wie aktiv betreiben Sie Recruiting als People Business? Oder was hindert Sie daran? Lassen Sie es uns wissen.

Bildquelle: © FotolEdhar – Fotolia.com

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
Bisherige Kommentare:

find ich einen guten Artikel. In der HR Branche möchte die meisten wirklich nicht ihr Gesicht zeigen und trotzdem ganz groß nach aussen wirken. Es gibt auch nicht wenig Personaler und auch Personalentscheider die nicht einmal ein Bild von sich auf Xing haben. Da wundern sich manche, dass das System Xing dann bei ihnen nicht funktioniert…

Hallo Herr Wiedamann,

danke für Ihr Feedback. Im Zusammenhang mit Ihrem Stichwort “fehlendes Bild von sich auf Xing” noch der Hinweis auf eine Analyse, die wir jüngst zum Thema Recuiter Branding gemacht haben: http://www.rekrutierungserfolg.de/blog/2014/12/18/wie-siehts-aus-recruiter-branding-mit-dem-xing-profil/. Vielleicht für den einen oder anderen noch interessant zu lesen; Sie hatten ja auch schon einen Blick darauf geworfen.

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