Female Recruiting – Zielgruppenansprache oder Eigentor?

erstellt am: 11.07.2014 | von:

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businessfrauIn den letzten Wochen werden wir vermehrt auf spezielle Aktivitäten und Angebote des Female Recruiting aufmerksam (gemacht). Sie alle haben eines gemeinsam: Frauen gezielt für Vakanzen in Unternehmen interessieren und für eine Mitarbeit gewinnen. Demografischer Wandel und Diversity lassen grüßen. Denn eigentlich war es recht ruhig geworden um FRAU – bis auf immer wieder angestoßene Versuche der Durchsetzung einer Frauenquote.

Für alle diejenigen, die Female Recruiting jetzt wieder verstärkt auf der Agenda haben, haben wir die Möglichkeiten systematisiert, auf die wir aufmerksam wurden:

Formulierung von Stellenangeboten

Dass man eine Stellenanzeige nicht einfach für Frauen ausschreiben kann, ist eigentlich seit Inkrafttreten des AGG klar. Dass es da auch keine Ausnahmen gibt, wurde gerade Anfang Juni 2014 nochmals mit dem Urteil gegen die taz klar gestellt.

Aber mit einer geschickten Wortwahl in Stellenanzeigen können wir steuern , ob sich eher Männer oder Frauen bewerben. Das zeigen die Eye-Tracking Studie von Jobware, eine Untersuchung der TU München zur Auswahl und Beurteilung von Führungskräften sowie internationale Studien der University of Waterloo und Duke University. Die Bloggergemeinde hat dazu auch schon ein paar Tipps bereit – siehe personalmarketing2null und wollmilchsau.

So lassen sich Frauen von als männlich assoziierten Begriffen in Stellenanzeigen (Job-Titel, Anforderungen, Aufgabenbeschreibung) eher abschrecken und von Begrifflichkeiten, die eher weiblich assoziiert sind, stärker für eine Bewerbung interessieren. Als typisch männlich assoziiert gelten dabei z.B. Begriffe wie  durchsetzungsstark, analytisch, zielstrebig. Eher weiblich assoziiert sind hingegen z.B. engagiert, verantwortungs­bewusst oder kontaktfreudig.

Eine Überprüfung von Stellenanzeigen durch den Personaldienstleister Adecco zeigt auch in der Praxis, dass da was dran sein kann:

  • In eher “Männer dominierten” Berufsfeldern wie IT, Management, Consulting und Controlling überwiegen eher männlich assoziierte Anforderungen in Stellenanzeigen.
  • Umgekehrt sieht es in Anzeigen aus den Branchen Gastronomie/Tourismus, Gesundheit/Soziales sowie Sekretariat/Verwaltung aus.
  • Interessant ist aber auch, dass bei anderen eher Männern zugeordneten Berufsbereichen (Bau, Handwerk, Vertrieb) aktuell mehr weibliche Attribute eingesetzt werden als männliche, wenn auch nur mit leichtem Vorsprung. Werden hier schon bewusst oder unbewusst die Erkenntnis der o.g. Studien umgesetzt oder ist es einfach Zufall?

Und natürlich lässt sich nicht nur über die Formulierung einer Anzeige, sondern auch über das eigentliche Stellenangebot Frauen bevorzugt ansprechen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Senior-Traineeprogramm von Lanxess. Auch wenn sich das Traineeprogramm von Lanxess nicht explizit an Frauen, sondern an Wiedereinsteiger 45+ richtet, die mindestens 7 Jahre aus dem Job ausgestiegen sind – typischerweise trifft diese Beschreibung auf Frauen zu. Und so zeigt sich auch, dass die Nachfrage von Akademikerinnen dafür recht groß war und letztlich auch 13 Frauen und ein Mann eingestellt wurden.

Firmen-Karriere-Events

Auch mit der Ausgestaltung von Karriere-Events werden häufig “geschlechterspezifische” Einladungssignale gesendet. So zeigt das Cover-Foto dieses Events ebenso wie die Fotostrecke des letzten Tuniers durchaus auch einzelne Frauen als Teilnehmer …

football career cup - male oder female Recruiting… Genauso wie sich bei der Talente-Küche sicher auch einige Männer angesprochen gefühlt haben.

talente-kueche - ein Ansatz für Female Recruiting

Und manchmal ist die Einladung auch ganz klar geschlechterspezifisch formuliert:

make up your career - female Recruiting pur

Spezielle Karriere-Messen

Als Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen bezeichnet sich Woman & Work in Bonn. Wie man es von vergleichbaren anderen Formaten kennt, werden hier ein zielgruppenbezogenes Kongress- und Rahmenprogramm mit Vier-Augen-Gesprächen kombiniert. Außerdem wird im Rahmen der Veranstaltung der Female Recruiting Award verliehen.

Die Recruiting-Veranstaltung CareerVenture women Frankfurt versteht sich als spezieller Event für Frauen, die eine Führungslaufbahn anstreben. Vorausgewählte Studentinnen, Absolventinnen und Young Professionals  haben im Rahmen dieser Veranstaltung die Möglichkeit, mit Unternehmensvertretern ins Gespräch zu kommen, die bewusst Female Recruiting betreiben.

Und auch im angrenzenden Ausland ist man auf die Frau gekommen: mit dem Messe-Kongress Job and Career for Women ist ein vergleichbares Angebot auch in Österreich zu finden.

Spezialisierte Personalvermittler/Personalberater

Als Europas erste Activ-Sourcing-Plattform für weibliche Spitzenführungskräfte bezeichnet sich Exxecta und verspricht hochqualifizierte und erfahrene weibliche Führungskräfte mit Top-Entscheidern aus Unternehmen zusammen zu bringen. Das Besondere daran: der Zugang ist nur auf Einladung möglich und alle Profile bleiben bis zur Freigabe durch die jeweilige Senior Expertin anonym. So kann Frau auch einfach mal ihren Marktwert testen.

Auch Hunting/Her wirbt damit, die erste internationale Personalberatung für Frauen zu sein. Neben dem klassischen Executive Search im Auftrag von Unternehmen bietet das Unternehmen auch die umgekehrte Version als Active Placement an: Hunting/Her geht proaktiv mit interessanten Profilen stellensuchender Frauen auf Unternehmen zu.

Risiken und Nebenwirkungen des Female Recruiting

Bei soviel Frauen-Power fragt man sich natürlich: brauchen und wollen Frauen diese Sonder”ansprachen” durch Female Recruiting?  Und fürchten Unternehmen nicht, hier insbesondere die Frauen zu finden, die gerne eine “Sonderlocke” haben wollen? Oder diejenigen zu beleidigen, die sich echte Gleichberechtigung wünschen, wie eine Leserin der ZEIT zum Ausdruck brachte?  Und was ist mit den Männern und dem AGG sowie unmittelbarer wie mittelbarer Diskrimminierung? Das können und sollen Juristen bewerten. Ich kann mir aber vorstellen, dass MANN mit zunehmendem “Bedrohungspotenzial” durch weitere Aktivitäten zum Female Recruiting vielleicht darüber doch einmal ins Nachdenken kommen wird.

Frauen und Männer – wie sehen Sie das Thema Female Recruiting?

 

Bildquellen:

People working © pressmaster – Fotolia.com

http://www.football-career-cup.de/

http://www.access.de/karriere-events/specials/zwilling-2013/uebersicht

http://www.access.de/karriere-events/details/1343/makeupyourcareer-2013

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.

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