Interview zum Recruiting der “Generation Silberhaar”

erstellt am: 24.04.2014 | von:

Rolf Dindorf Profilfoto Internet neuDas Recruiting und die Beschäftigung “Älterer” oder Best Ager ist ein Thema, das den HR-Bereich zunehmend fordert – ganz gleich, ob unter dem Stichwort Fachkräftemangel, Demographie-Management oder Diversity diskutiert.

Wir haben zu diesem Thema den Blogger von “Generation Silberhaar” – Rolf Dindorf – zum Interview eingeladen. Lesen Sie hier die interessanten Antworten des ausgewiesenen Themen-Experten zu unseren Fragen rund um das Personalmarketing und Recruiting dieser Generation. 

Rekrutierungserfolg.de: Als Blogger des Demographieblogs möchten Sie ein erfolgreiches Demographie-Management in Unternehmen unterstützen. Ihr Blog trägt den Untertitel “Generation Silberhaar”. Wie definieren Sie bzw. grenzen Sie die Generation Silberhaar persönlich ab?

Rolf Dindorf: Alt mit 40? Oder doch erst ab 50? Vielleicht spätestens mit…? Wann ist man alt? Wann ist man silberhaarig? Die Frage lässt sich nur individuell beantworten.

Die Abgrenzung für den Blog erfolgt auf einer pauschalen Festlegung. Die Generation Silberhaar bezieht sich auf die „älteren“ Führungskräfte und Mitarbeiter ab dem 50. Lebensjahr. Der Blog behandelt aber zahlreiche altersunabhängige Themen. Demographiemanagement wird zunehmend ein bedeutender Bestandteil unternehmerischen Handelns. Dabei umfasst das Konzept mehr Punkte als “nur” die Integration der Generation 50 plus in die Unternehmen.

Rekrutierungserfolg.de: Es ist noch nicht lange her, da hatte man spätestens mit 50 kaum mehr Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz. Wie schätzen Sie die Arbeitsmarktchancen der Generation Silberhaar heute und zukünftig ein?

Rolf Dindorf: Die steigende Nachfrage nach Fachkräften und die sinkenden Ausbildungszahlen sind ein Fakt. Die Folgen des demographischen Wandels sind spürbar. Die Arbeitsmarktchancen der Generation 50plus werden sich angesichts des drastischen Wandels in der Arbeitswelt deutlich verbessern.

Rekrutierungserfolg.de: Was macht ein Unternehmen als Arbeitgeber für die Generation Silberhaar attraktiv? Mit welchen Themen oder Leistungsangeboten können Unternehmen bei älteren Bewerber punkten?

Rolf Dindorf: Die Generation Silberhaar zeigt ein größeres Interesse an einer Beschäftigung, wenn der Arbeitgeber Angebote für ältere Mitarbeiter vorhält. Wettbewerbsvorteile bringt ein Mitarbeiterbenefit in den Bereichen Healthcare und Altersversorgung. Auch durch flexible Arbeitszeitmodelle und die Ausgestaltung von horizontalen und vertikalen Karrieren lassen sich Mitarbeiter mit silbrigem Haupt begeistern.

Rekrutierungserfolg.de: Welche Beispiele von Unternehmen bzw. Personalmarketing-Kampagnen, die gezielt die Generation Silberhaar als Bewerber umwerben, kennen Sie?

Rolf Dindorf: Stell Dir vor es ist demografischen Wandel und keiner nimmt es ernst. Dieser Film läuft noch in vielen Betrieben und Verwaltungen. Es gibt allerdings auch Leuchttürme eines erfolgreichen Demografiemanagement. Die Direktbank ING-DiBa hat das interessante Projekt “Azubis 50+” verwirklicht. Im Rahmen dieser Initiative erhielten über 50jährige die Chance durch ein 9-monatiges Praktikum den Ausbildungsabschluss zur Servicekraft für Dialogmarketing zu erwerben.

Mit dem Demographieprogramm „Heute für morgen“ reagiert BMW auf die Herausforderung “Demographischer Wandel”. Alle 105 000 BMW-Mitarbeiter sind darin eingeschlossen. Ein richtiger Personalansatz, denn genau darin liegt häufig das Missverständnis. Mit einem Programm nur für die Generation 50plus wird zu kurz gesprungen. Doch die heute 40jährigen sind in zehn Jahren auch 50+. Demographieprogramme sind dann sinnvoll, wenn alle Mitarbeiter angesprochen werden.

Rekrutierungserfolg.de: Was halten Sie von speziellen Karrieremessen oder Jobbörsen für die Generation Silberhaar?

Rolf Dindorf: Auf die Zielgruppe zugeschnittene Messen respektive Jobbörsen machen vor dem Hintergrund der häufig jugendlastig ausgerichteten Angebote Sinn. Allerdings sollte eine Abgrenzung respektive ungewollte Stigmatisierung der Generation Silberhaar vermieden werden.

Rekrutierungserfolg.de: Viele Unternehmen setzen im Employer Branding/Personalmarketing auf Social Media. Können sie damit auch die Generation Silberhaar erreichen? Wie schätzen Sie die Social-Media-Affinität und Social-Media-Kompetenz dieser Zielgruppe ein?

Rolf Dindorf: Knapp 67 Prozent (Stand 2013) der Internetnutzer ab 50 Jahren sind nach einer Studie des Verbandes Bitkom bei mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet. Es ist die einzige relevante Altersgruppe mit noch erheblichem Steigerungspotential.

Viele Unternehmen haben zu jugendlastige Personalkampagnen. Sie sind geprägt von einem jugendlichen Marketing, bei dem die Werte jung, sexy und erfolgreich im Mittelpunkt stehen. Mit einem veränderten Auftritt lässt sich die Generation Silberhaar besser erreichen.

Rekrutierungserfolg.de: Oft sind die Recruiter oder Personaler, die die Personalauswahl betreuen, deutlich jünger als ihre älteren Bewerber. Für beide keine einfache Situation. Auf was sollten beide Seiten achten, damit es mit einer möglichen Zusammenarbeit klappt?

Rolf Dindorf: Eine reibungsfreie, produktive Zusammenarbeit gelingt bei Akzeptanz und Wertschätzung des Anderen. Selbstkritisch müssen die Beteiligten ihre Denkmuster und Verhaltensweisen hinterfragen. Man muss sich von Vorurteilen lösen und offen für Neues sein.

Rekrutierungserfolg.de: Viele Best Ager wollen gar keinen klassischen Job mehr. Sie steigen aus und arbeiten als freiberufliche Berater, Trainer/Coaches oder als Interims-Manager. Gleiches gilt für Ruheständler, die sich ein klassisches Rentnerdasein nicht vorstellen können. Wie können Unternehmen von diesen Personen profitieren und was bringen diese mit, was andere nicht haben?

Rolf Dindorf: Die Generation Silberhaar verfügt über zahlreiche Stärken. Dazu zählen die Berufserfahrung, soziale Leistungspotentiale wie Teamfähigkeit und Pflichtbewusstsein, selbständige Arbeitsweise, Erfahrungswissen sowie Qualitätsbewusstsein. Durch entsprechende Integration und Einsatz der älteren Mitarbeiter lässt sich ein Gewinn für das Unternehmen erzielen. Es gilt den Schatz im Silbersee zu heben.

Rekrutierungserfolg.de: Herr Dindorf, vielen Dank für das Interview. Und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Ihrem Blog “Generation Silberhaar”!

 

Über den Blogger Rolf Dindorf: 

Rolf Dindorf bloggt auf Generation Silberhaar. Der Blog zum demographischen Wandel in Deutschland beschäftigt sich mit den zentralen Themen zum demographischen Wandel: Fachkräftesicherung, Age Management, Generation Y, Work Life Balance, Generation 50plus, usw.

Als Trainer, Berater und Vortragsredner beschäftigt er sich mit Fragen rund um das Demographiemanagement, die Kommunikation und das Selbstmanagement.

Bildquelle: © Rolf Dindorf

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
Bisherige Kommentare:

[…] “Das Recruiting und die Beschäftigung “Älterer” oder Best Ager ist ein Thema, das den HR-Bereich zunehmend fordert – ganz gleich, ob unter dem Stichwort Fachkräftemangel, Demographie-Management oder Diversity diskutiert”, schreiben die Kollegen vom Blog Rekrutierungserfolg.de Dazu führten sie ein Interview mit Rolf Dindorf. Nachzulesen auf Rekrutierungserfolg.de […]

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