Diversity & Fairness im Recruiting – Wie setzen Sie es um?

erstellt am: 20.11.2013 | von:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Geben Sie die erste Bewertung ab.)
Loading...Loading...

Quelle: Many the isolated portraits of people © FotolEdhar - Fotolia.com

Blaue Augen, große Nase, Kopftuch oder Glatze – Sicher stimmen Sie darin überein, dass diese Merkmale bei der Personalauswahl keine Rolle spielen sollten. Und dennoch tun sie es (immer) noch – bewusst oder unbewusst. Eine neue Studie der Humboldt Universität Berlin hat nun die Fairness von Methoden der Personalauswahl untersucht. Speziell lag der Fokus dabei auf Videointerviews. Mit erstaunlichem Ergebnis.

Dass ein Auswahlverfahren fair sein muss, ist klar. Wohl jeder HR Manager würde dieser Aussage zustimmen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es dann eher bei der Frage, welche Verfahren fair sind. Bei allem, was mit Videos zu tun hat, scheiden sich allerdings die Geister dann endgültig. Von „innovativ und standardisiert“ bis „Die Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat doch gezeigt, dass anonyme Bewerbungen ohne Bild besser sind. Dann können Videointerviews doch nur noch schlimmer sein“ sind alle Meinungen vertreten.

Was dabei oft vergessen wird: Nicht das Bild und damit die Offenbarung von diskriminierungsbezogenen Eigenschaften wie Alter, Geschlecht oder ethnischer Herkunft sind das Problem. Denn ein persönliches Gespräch, bei dem diese Eigenschaften sichtbar werden, gibt es bei praktisch jeder zu besetzenden Stelle ohnehin. Das Problem liegt vielmehr darin, wie diesen Merkmalen im Rahmen des Auswahlverfahrens begegnet wird.

Mit anderen Worten: Es hängt vom Auswahlverfahren ab, ob ein Bewerber fair beurteilt wird oder nicht. Ein Auswahlverfahren ist dann „unfair“, wenn weder qualifikations- noch kompetenzbasierte Auswahlkriterien verwendet werden. In diesem Falle ist die Anfälligkeit für Diskriminierung hoch.

Wichtig bei Methoden der Personalauswahl sind daher eine objektive Struktur, der Anforderungsbezug sowie das Mehr-Augen-Prinzip.

Neueste Studienerkenntnisse: Zeitversetzte Videointerviews unterstützen Diversity und Fairness

Wie sieht es nun mit der Fairness von Videointerviews aus, speziell zeitversetzten Videointerviews? Prof. Matthias Ziegler von der Humboldt Universität hat in einer Studie genau diese Frage untersucht. Das Ergebnis ist erstaunlich: Zeitversetzte Videointerviews sind fair und fördern damit Diversity.

„Es gab im Grunde überhaupt keinen verzerrenden Effekt durch das Geschlecht oder den Migrationshintergrund eines Kandidaten“, so der Studienleiter Prof. Ziegler im Interview. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Was wurde in der Studie gemacht? Deutsche Bewerber mit und ohne Migrationshintergrund durchliefen ein zeitversetztes Videointerview und wurden anschließend von 208 Ratern bewertet. Dabei wurden sie, wie es in einem zeitversetzten Videointerview angelegt ist, anhand spezifischer Anforderungs-dimensionen bewertet, wie z.B. „Teamfähigkeit“ oder „Kommunikationsfähigkeit“. Zeitversetzt bedeutet, dass der Bewerber zeitunabhängig vom Recruiter stellenbezogene Fragen beantwortet und diese per Webcam aufzeichnet. Der Recruiter bewertet diese Antworten dann zu einem späteren Zeitpunkt im Hinblick auf die festgelegten Anforderungsdimensionen, also ebenfalls zeitunabhängig vom Bewerber

Die 208 Rater zeigten nach der Bewertung des Videointerviews die prozentual gleiche Zustimmung zur Aussage „Ich würde den Bewerber zur nächsten Auswahlrunde einladen.“ – egal ob es sich um einen deutschen (42% Zustimmung) oder einen ausländischen (43% Zustimmung) Bewerber handelte. Das zeitversetzte Videointerview zeigte sich damit deutlich fairer als etwa die traditionelle Lebenslaufanalyse.

Fazit: Mit zeitversetzten Videointerviews haben alle Bewerbergruppen die gleichen Chancen – egal ob blaue Augen, große Nase, Kopftuch oder Glatze. Die Studienergebnisse finden Sie hier als White-Paper zum Download.

 

Alle Studienergebnisse werden am 26.11.2013 von 16:00 -16:45 Uhr ausführlich in einem kostenfreien Webinar vorgestellt. Prof. Tuulia Ortner, Professorin für Eignungsdiagnostik der Universität Salzburg, und Hanna Weyer von der viasto GmbH werden durch das Webinar führen und neben den Studienergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis geben sowie Fairnessaspekte anderer Methoden beleuchten.

Dabei stehen vor allem folgende Fragen im Vordergrund:

  • “Was hilft mir als Personaler, fair zu bleiben?“
  • „Wie setze ich Fairness konkret um?”

Hier können Sie sich fürs Webinar anmelden. Alle angemeldeten Teilnehmer erhalten anschließend eine Aufzeichnung des Webinars.

 

Bildnachweis: © FotolEdhar – Fotolia.com

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Geben Sie die erste Bewertung ab.)
Loading...Loading...
Hanna Weyer, viasto GmbH (Gastautorin)
Hanna Weyer ist bei der viasto GmbH Expertin auf dem Gebiet zeitversetzter Videointerviews. Sie hat umfassende Erfahrung im Bereich der Personaldiagnostik und berät Kunden beim optimalen Einsatz der Videotechnologie in ihren Auswahlprozessen.

Ihr Kommentar:

(wird nicht veröffentlicht)

(optional)

Kommentar:

  • Auf Twitter folgen
  • Xing-Profil besuchen
  • Auf Facebook besuchen
  • Googleplus-Profil besuchen