Sind Schulkooperationen im Azubi-Marketing noch zeitgemäß?

erstellt am: 26.05.2013 | von:

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Quelle: Studenten arbeiten an Laptops © Robert Kneschke - Fotolia.com

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Nicht zuletzt durch die Diskussion um den Fachkräftemangel steht das Thema Ausbildung in vielen Unternehmen ganz weit oben auf der Agenda. Eine ausreichende Zahl an interessierten und letztlich auch geeigneten Azubi-Bewerber zu gewinnen, wird aber immer problematischer. Schnell wird gesagt, dass es eben weniger Kinder gibt und die Schulen ihrem Bildungsauftrag nicht mehr ausreichend nachkommen. Aber hilft das? Nein! Sich in die Situation der Jugendlichen hineinzuversetzen und aktiv etwas zu tun, damit sie sich für eine passende Berufsausbildung entscheiden und sie das eigene Unternehmen als Ausbildungsbetrieb in Betracht ziehen, ist hilfreich. In Zeiten von Internet und Social Media denken jetzt viele direkt an Online-Marketing und setzen dieses gleich mit attraktivem Azubi-Marketing. Wie sieht es aber mit Schulkooperationen aus? Können diese da mithalten und noch Interesse wecken?

Ausbildungsplatzsuche aus Sicht der Jugendlichen

Die Schülerinnen und Schüler haben die Qual der Wahl. Es stehen ihnen grundsätzlich gut 350 verschiedene Ausbildungsberufe zur Auswahl, aber sie konzentrieren sich auf einige Wenige. Eine Übersicht liefert z.B. eine Auswertung der Suchanfragen von Schülerinnen und Schülern sowie anderen Interessierten in wichtigen Suchmaschinen (2011) oder eine Auswertung der abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Bundesinstituts für Berufsbildung (BBiB, 2012). Hinzu kommen noch die vielfältigen Studienangebote. Unternehmen, die einen eher unbekannten oder nicht ganz so beliebten Ausbildungsberuf anbieten, haben damit schon schlechtere Karten, Jugendliche zu interessieren und damit Auszubildende zu gewinnen.

Wie das Schülerbarometer 2012 zeigt, das ein Ranking der Wunsch-Ausbildungsbetriebe von Jugendlichen präsentiert, wollen Jugendliche gerne bei bekannten und großen Unternehmen arbeiten. Hiermit assoziieren sie Ansehen und Sicherheit. Ihre Eltern bestärken sie häufig in diesen Überlegungen. Unternehmen, die weniger bekannt sind oder keine trendigen Marken repräsentieren, haben es damit schwerer, Jugendliche für eine Ausbildung in ihrem Unternehmen zu interessieren.

Der Ansatzpunkt

Vielen Schülern fehlt es an Berufsorientierung. Trotz aller Informationsmöglichkeiten sind sie und häufig auch die Eltern überfordert. Häufig fehlt eine Vorstellung von Ausbildungsinhalten und den Ausbildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichen Betrieben, die in Frage kommen. Und genau hier ist der Ansatzpunkt. Es gilt die Jugendlichen bereits in ihrer Berufsorientierung abzuholen und anschaulich über die Ausbildungsberufe und -inhalte zu informieren. Außerdem ist es wichtig, über die realistischen Chancen und Möglichkeiten einer Ausbildung im eigenen Betrieb sowie Zukunftsperspektiven auch im Vergleich zu anderen Ausbildungsoptionen aufzuklären.

Mehr interaktives Azubi-Marketing notwendig

Ausbildungsbetriebe müssen dazu aber aktiver werden als bisher. Es reicht eben nicht, ein paar allgemeine Sätze in der Ausschreibung des Ausbildungsplatzes zu formulieren, bei einer Azubi-Messe ein paar Plakate aufzuhängen, sich auf Azubi-Portalen einzutragen oder Informationstexte und nette Bilder von glücklichen Jugendlichen auf die Homepage zu stellen. Statt Präsentations- ist Interaktionsmanagement mit der Bewerbergruppe “Künftige Schulabgänger” gefragt.

Schulkooperationen als Interaktionsbühne für mehr Rekrutierungserfolg

Interaktionsmanagement lebt vom Austausch. Daher ist es wichtig, dahin zu gehen, wo die Schüler/innen erreichbar sind. Die Schule ist der Ort, wo die meisten Schüler/innen zusammen erreicht werden können. Daher ist der Aufbau und die regelmäßige Pflege von Schulkooperationen ein gutes Mittel, künftige Ausbildungsplatzbewerber direkt und persönlich über die angebotenen Ausbildungsberufe und den eigenen Ausbildungsbetrieb zu informieren,  ihr Vertrauen zu gewinnen und den Wunsch zu wecken, sich für eine Ausbildung im Unternehmen zu entscheiden – auch wenn es sich nicht um den TOP 10-Ausbildungsberuf oder Ausbildungsbetrieb handelt.

Vielfalt an Interaktionsmöglichkeiten – als Ausbildungsbetrieb erlebbar werden und den Beruf erfahrbar machen

Denkbar ist vieles: aktive Mitgestaltung von Unterrichtseinheiten, Angebot von Arbeitsgemeinschaften und Ferienkursen, Berufsparcoure , Schnuppertage, Praktikumsangebote,  Azubi-Schüler-Wettbewerbe usw. Informationen zur Gestaltung von Schulkooperationen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in einem Leitfaden zusammengestellt. Auch wenn man alle Tipps umsetzt – im Ergebnis sind drei Dinge wichtig für ein erfolgreiches Azubi-Marketing über Schulkooperationen:

  • Kreativität
  • nachhaltiges Engagement und
  • realistisches Erwartungsmanagement: die Maßnahmen brauchen Zeit zum Wirken.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet also: ja, Schulkooperationen sind noch zeitgemäß. Aber sie müssen anders gestaltet werden: weniger Dozieren und Präsentieren, weniger abstrakte Beschreibung von Inhalten und Anforderungen, weniger Passivität – stattdessen mehr anschauliche Information, mehr Aktionen zum Anfassen und Mitmachen, mehr wertschätzendes Miteinander ohne Berührungsängste. Die Erfahrung zeigt, dass angehende Schulabgänger bei aller Internet- und Social-Media-Euphorie dafür durchaus zu haben sind.

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
Bisherige Kommentare:

[…] Dass Schulkooperationen eine tolle Interaktionsbühne für mehr Rekrutierungserfolg sein können, haben wir schon einmal in einem früheren Blogbeitrag aufgegriffen. […]

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