Bewerbungsanalyse – in 2 bis 3 Minuten ist man durch?

erstellt am: 02.03.2012 | von:

Quelle: Bewerbung © upo

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Eine jüngst veröffentlichte Zahl lässt aufhorchen. Im aktuell laufenden ICR-Survey geben von 238 antwortenden Personalern die große Mehrheit an, unter 5 Minuten für eine Bewerbungssichtung zu benötigen. Das Gros nimmt sich gerade einmal 2-3 Minuten Zeit. Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass viele Personaler und Recruiter nach wie vor nur nach Schlüsselbegriffen wie Ausbildungsabschluss, Studium, Noten oder Berufsjahren schauen und dann Bewerbungen beiseite legen, die den Hardfacts vermeintlich nicht genügen. Schnell kann diese Vorgehenweise zu Fehlentscheidungen führen. Warum?

Unterlagen werden komplexer

Werdegänge sind heute häufig recht umfangreich und nicht mehr geradlinig. Phasen der Berufstätigkeit und der Qualifikation können sich durchaus abwechseln oder parallel verlaufen. Anstellungen, befristete Tätigkeiten oder Auszeiten sind keine Seltenheit mehr. Beim schnellen Blick über die Stationen gehen relevante Informationen schon einmal unter. So wird schnell übersehen, dass eine Lücke vorhanden ist, ein Studium zwar absolviert, aber nicht abgeschlossen wurde, ein Arbeitsverhältnis längst beendet ist, obwohl es noch als laufend im Werdegang angegeben ist oder ein Zeugnis vom Vater unterschrieben oder Monate nach Austritt ausgestellt ist.

Potenziale gewinnen im Vergleich zu Hardfacts an Bedeutung

Oder es geht unter, dass jemand neben seinem Beruf auch noch ein Studium absolviert hat, vorübergehend Projektverantwortung übernommen hat oder eine Sprache beherrscht, die nice to have wäre.  Wünschenswerte soziale, methodische oder persönliche Kompetenzen sind oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, sondern erst wenn man die gesamten Unterlagen im Zusammenhang betrachtet und sich auch Zeugnisse und Referenzen ansieht.  Dann erkennt man womöglich auch, dass jemand wichtige Soft Skills mitbringt, die man eigentlich gar nicht erwartet hätte, die aber die geforderten Hardfacts locker kompensieren können.

Zeitinvest in Bewerbungsanalyse lohnt zweifach

Es lohnt sich also, etwas mehr Zeit in eine ganzheitliche Betrachtung von Bewerbungen zu stecken:

  • Bei rückläufigen Bewerberzahlen wird großzügiges Aussortieren immer riskanter. Bei einer sorgfältigen Bewerbungsanalyse kann man durchaus Hidden Champions oder auch Personen entdecken, die vielleicht auf eine andere oder künftige Vakanz passen.

Daher verwundern auch die Detailergebnisse der o.g. Untersuchung nicht: Sie zeigen, das im Recruiting kleinerer Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern deutlich mehr Zeit in die Bewerbungsanalyse gesteckt wird als bei Unternehmen mit 2.500 – 5.000 Beschäftigten. Kleinere Unternehmen haben tendenziell einen geringeren Bewerbungseingang und schauen sorgfältiger hin, um daraus mögliche Mitarbeiter zu gewinnen.  Auch gehen interne Recruiter oft intensiver in die Analyse als RPO-Dienstleister. Hier ist der Grund sicher darin zu sehen, dass die RPO Dienstleister anders als die internen Recruiter häufig nicht die ganze Bandbreite offener Stellen im Unternehmen kennen und daher auch weniger querschauen.

  • Erwähnenswert ist aber auch die Zeitersparnis nach hinten. Es kostet mehr Zeit, einen Bewerber, der eigentlich unpassend ist, zum Kennenlernen einzuladen und dann erst im Interview festzustellen, dass man wichtige Punkte in den Unterlagen übersehen hat, als vorher ein paar mehr Minuten Zeit in eine solide Unterlagenanalyse zu stecken.

Schauen Sie doch mal in unsere Checkliste zur Bewerbungsanalyse.  Weitere Informationen zu den o.g. Zahlen finden Sie hier.

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Ruth Böck
... ist einer der Köpfe von upo - Bausteine für Rekrutierungserfolg. Als "Recruiting-Qualitäterin" unterstützt sie Arbeitgeber in der Professionalisierung ihres Recruitings durch Recruiting Analysen und Beratung, Konzeption von Recruiting Instrumenten, operative Recruiting Services (RPO) oder den Ausbau von Recruiting Kompetenz durch Webinare, Seminare und Workshops. Außerdem ist sie die Initiatorin von Rekrutierungserfolg.de - dem Portal für das Recruiting.
Bisherige Kommentare:

[…] Großteil der Bewerber (51 Prozent) ein bis drei Stunden in die Bewerbung. Und auf Personalerseite? Mal gerade fünf Minuten nimmt man sich zum Sichten einer Bewerbung. Wenn überhaupt. Wobei es den Bewerbern schon im ersten Schritt nicht leicht gemacht wird. Denn bereits die […]

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